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Kahlo hat Marktwert Frida ist Kult

Salma Hayek und die Regisseurin Julia Taymor vor dem Plakat zum Film

Salma Hayek und die Regisseurin Julia Taymor vor dem Plakat zum Film

Zu ihren Lebzeiten stand sie im Schatten ihres berühmten Mannes, des mexikanischen Malers Diego Rivera. Erst nach ihrem Tod wurde die Malerin Frida Kahlo selbst berühmt und heute ist sie eine der bekanntesten Figuren der mexikanischen Kunstgeschichte. Und weil sie in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, wird Frida, "Die Malerin des Leidens", mit Ausstellungen, Buchveröffentlichungen und Konferenzen geehrt.

Sie wurde am 6. Juli 1907 in Mexiko-Stadt als Tochter eines Deutschen und einer Mexikanerin geboren. Auch nach ihrem frühen Tod im Jahre 1954 dauerte es eine Weile, ehe Frida entdeckt wurde. Es waren nur zum Teil ihre Bilder, meist Selbstporträts, mit denen die Aufmerksamkeit auf sie gelenkt wurde. Ihr Leben und Leiden, ihre Liebe zu Diego Rivera, der dick und groß und über 20 Jahre älter war als sie, aber auch seine und ihre Affären und ihre politische Zugehörigkeit zur politischen Linken, all das führte dazu, dass Frida beginnend mit den 80er Jahren in den USA als Galionsfigur der mexikanischen Frauenbewegung gesehen wurde.

Die Popsängerin Madonna erwarb drei Bilder von Frida, unter anderen "Mi Nacimiento" (Meine Geburt). "Wenn einem dieses Bild nicht gefällt, dann kann er nicht mein Freund sein", sagte die Popikone 1990 der Zeitschrift "Vanity Fair". Vor einem Jahr wurde das Gemälde "Raices" (Wurzeln) in New York für 5,5 Millionen Dollar versteigert - der wohl höchste Preis für das Bild einer Malerin aus Lateinamerika bislang. Es wird angenommen, dass der anonyme Käufer Madonna ist.

Leo Trotzki kam mit seiner Frau 1937 nach Mexiko.

Leo Trotzki kam mit seiner Frau 1937 nach Mexiko.

Salma, Kult und Kino

Inzwischen hatte das Image der Mexikanerin international durch den Film "Frida" einen neuen Schub bekommen, der der Fridomanie einen anhaltenden Boom bescherte. Salma Hayek spielte die kranke Frida und machte sie wohl schöner als das historische Vorbild in Wirklichkeit gewesen war. Vor allem das Geschäft mit der mexikanischen Kultfigur blüht. Ihr Haus im Künstlerstadtteil Coyoacan gehört zu den meistbesuchten Museen in der mexikanischen Hauptstadt.

Das machten sich auch die Erben des Namens Frida Kahlo zu eigen, Isolda Pinedo Kahlo, Fridas Nichte, und deren Tochter Mara Romeo. 2004 kam der venezolanische Geschäftsmann Carlos Dorado auf die beiden Frauen zu, wie die mexikanische Zeitschrift "Gatopardo" jetzt berichtete, und seither wird Frida von der Frida Kahlo Corporation vermarktet: Fridas Namenszug auf Tequilaflaschen, T-Shirts, Taschen und Flugzeugen. Es gibt sogar ein 1500 Dollar teures perlen- und kristallbesetztes Korsett, in Erinnerung an das medizinische Stützkorsett, das die junge Frida wegen eines Unfalls in ihrer Jugend tragen musste. "Wenn wir es richtig machen, wird das drei oder vier Generationen so weitergehen", freut sich der in Miami lebende Geschäftsmann.

Die Liebe in Zeiten des Kommunismus

Frida Kahlo und Diego Rivera auf einer Demonstration im November 1936

Frida Kahlo und Diego Rivera auf einer Demonstration im November 1936

Ihr Leben aber war anders, traurig und tragisch. Darüber können auch die jetzt eröffnete große Ausstellung in Mexiko-Stadt und die Öffnung ihres privaten Nachlasses nicht hinwegtäuschen. Ein Unfall im zarten Alter von 17, der sie Zeit ihres Lebens behindert, ans Bett fesselt und große Schmerzen bereitet. Ein Mann, der sie ständig betrügt, auch mit der eigenen Schwester. Dann die eigenen wechselnden Liebschaften und Affären.

Angeblich auch mit dem nach Mexiko geflohenen Organisator der russischen Revolution und Gründer der Roten Armee, Leo Trotzki. Frida Kahlo und Diego Rivera hatten beim mexikanischen Präsidenten Lzaro Crdenas interveniert, damit Trotzki nach Mexiko kommen könne. Er lebte zwei Jahre lang in Fridas blauem Haus im Stadtteil Coyoacan. Wenige Straßen weiter wurde er 1940, bereits verlassen von der mexikanischen Linken und von Frida und Diego, von den Häschern des sowjetischen Diktators Stalin ermordet.

Ikone der Linken

Schon damals vertraute die Linke in Mexiko dem Kommunismus blind. Frida malte ein Bild unter dem Titel: Der Marxismus wird den Kranken Gesundheit bringen. Rivera ließ sich in die stalinistische Sowjetunion einladen und feierte das Regime und ließ sich feiern. Die Ausstellung in Mexikos Musentempel Bellas Artes gibt nicht sehr viele Auskünfte über den politischen Teil von Fridas Leben: Ein Brief von William Foster aus dem Jahre 1950 sagt viel: Die kommunistische Sowjetunion werde gemeinsam mit China und den Volksdemokratien so stark werden, dass sie den Kapitalismus nicht nur einholen, sondern gar überflügeln werde.

Das ist auch der aktuelle Bezug zur Gegenwart: Frida wird verehrt von den Rechten und geliebt von den Linken. Als der konservative Präsident Felipe Caldern die große Frida-Kahlo-Ausstellung in Mexikos Stadtzentrum eröffnete, demonstrierten draußen die Linken und reklamierten die 1954 gestorbene Künstlerin für sich: "Wenn Frida heute lebte, wäre sie auf unserer Seite", riefen sie den geladenen Gästen entgegen. Und: "Ihr Kakerlaken. Frida war eine Linke."

Quelle: n-tv.de, Franz Smets, dpa

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