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Vier-Milliarden-Loch Gefälschte Papiere bei Parmalat

Mit der Bekanntgabe eines Vier-Milliarden-Lochs in seiner Bilanz hat der italienische Lebensmittelkonzern Parmalat die Finanzmärkte geschockt.

Parmalat teilte mit, ein Dokument, das Vermögenswerte einer auf den karibischen Kaimaninseln ansässigen Tochterfirma in Höhe von 3,95 Milliarden Euro ausgewiesen hatte, sei von der Bank of America als falsch bezeichnet worden. "Es ist schwer vorstellbar, wie Parmalat nach diesem Hinweis auf weit reichende finanzielle Unregelmäßigkeiten weitermachen kann", schrieb die Kreditanalystin Claire McGuckin von ABN Amro in einer Kundenmitteilung.

Die Kurse von Aktien und Anleihen des Unternehmens gerieten weiter unter Druck. Der erst in dieser Woche ernannte neue Parmalat-Chef Enrico Bondi setzte nach Angaben aus Firmenkreisen für 20.00 Uhr eine außerordentliche Sitzung des Verwaltungsrats an.

Obwohl Parmalat seine liquiden Mittel mit 4,2 Milliarden Euro angab, konnte der Konzern in der vergangenen Woche eine 150-Millionen-Euro-Anleihe nur mit der Hilfe von Gläubigerbanken und der italienischen Regierung zurückzahlen. Die nun vermissten vier Milliarden Euro würden auch den Bilanzskandal bei dem niederländischen Einzelhändler Ahold in den Schatten stellen, bei dem es um eine Milliarde Euro ging. Die jüngste Pressemitteilung des italienischen Konzerns habe wie eine Bombe eingeschlagen, schrieben Commerzbank-Analysten in einer Kundenmitteilung.

Im Zuge der Finanzkrise des Konzerns war in dieser Woche bereits Unternehmsgründer Calisto Tanzi zurückgetreten. Er hatte 1961 in der Nähe von Parma seine erste Fabrik zum Pasteurisieren von Milch eröffnet und darauf aufbauend ein Imperium mit fast 35.000 Angestellten in 30 Ländern geschaffen.

Durch eine Vielzahl von Akquisitionen haben sich hohe Schulden aufgebaut. In der Bilanz per 30. September waren Schulden von sechs Milliarden Euro aufgeführt, Analysten haben sich aber besorgt gezeigt, die tatsächlichen Schulden könnten höher sein.

"Bank of America hat die Echtheit eines auf den 6. März 2003 datierten Dokuments bestritten, das die Existenz von Wertpapieren und Liquidität von insgesamt rund 3950 Millionen Euro zum 31. Dezember 2002 bestätigte", teilte Parmalat mit. Das Dokument sei für die Prüfung der Bücher 2002 der Tochter Bonlat Financing Corporation benutzt worden. Bonlat und der ebenfalls auf den Kaimaninseln ansässige Investmentfonds Epicurum sind Gegenstand einer

Eilprüfung durch PriceWaterhouseCoopers, die dazu in dieser Woche engagiert wurden. Parmalat-Aktien und Anleihen waren in den vergangenen Wochen insbesondere durch Mitteilungen des Konzerns unter Druck geraten, er habe rund 500 Millionen Euro in den relativ unbekannten Epicurum-Fonds investiert und könne die Anlage nicht auflösen.

Parmalat-Aktien fielen zum Handelsschluss an der Mailänder Börse um 66 Prozent auf 0,30 Euro. Zum 23. Dezember sollen die Aktien zudem aus dem Leitindex Mib30 der Mailänder Börse herausfallen, teilte die Börse mit. Grund sei die durch den Kurseinbruch gesunkene Marktkapitalisierung.

Ein institutioneller Investor sagte, Parmalat-Anleihen würden zurzeit mit 25 Prozent des Nennwertes gehandelt. "Bei dem Preis zu verkaufen ist eine Katastrophe", sagte er.

Quelle: n-tv.de