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Porträt Gerd Tenzer

Gerd Tenzer steht für den technologischen Fortschritt bei der Telekom. Der Baden-Badener hat frühzeitig auf Innovationen gesetzt und ist verantwortlich für die schnelle Einführung der DSL-Technologie und der Breitband-Kabelnetze.

Sollte Tenzer bei der heutigen Aufsichtsratssitzung der Telekom tatsächlich zum Nachfolger von Vorstandschef Ron Sommer bestellt werden, würde ein Mann an die Spitze des Unternehmens treten, dem von Beobachtern ein seit Jahren gespanntes Verhältnis zu seinem bisherigen Chef nachgesagt wird.

Tenzer ist mit Jahrgang 1943 das älteste Mitglied in der achtköpfigen Vorstandsriege. Der Diplomingenieur des Faches Nachrichtentechnik arbeitete von 1968 bis 1970 in der Telekommunikationsforschung von AEG-Telefunken und wechselte anschließend in die damalige Deutsche Bundespost. Er trat 1970 in den Dienst des damals noch als Behörde agierenden Unternehmens ein und wechselte 1975 ins Postministerium, wo er 1980 die Leitung des Referats für Fernmeldepolitik übernahm.

Der in der Öffentlichkeit eher sachlich-nüchtern wirkende Technik-Chef ist Telekom-Vorstandsmitglied der ersten Stunde. Als 1990 im ersten Schritt der Postreform die bisher dem Ministerium unterstellte Postverwaltung in die drei Unternehmen Deutsche Bundespost Telekom, Deutsche Bundespost Postdienst und Deutsche Bundespost Postbank aufgeteilt wurde, war er dabei.

1995 wurde die Telekom als Aktiengesellschaft gegründet, Tenzer blieb im Vorstand. Sein Arbeitsbereich läuft unter der Bezeichnung "Produktion und Technik". Nach Unternehmensangaben im Internet ist in seinem Vorstandsbereich auch die konzernübergreifende Koordination der Netzinfrastruktur sowie deren strategische Planung und Weiterentwicklung angesiedelt.

Schon 1995, so erinnern sich Analysten und unternehmensnahe Beobachter heute, habe Tenzer an die Spitze der Telekom rücken wollen. Nach dem überraschenden Rücktritt des ersten Vorstandschefs Helmut Ricke im Dezember 1994 habe er sich Hoffnungen auf den Vorstandsvorsitz gemacht. Doch ihm wurde der sechs Jahre jüngere damalige Sony-Manager Sommer vorgezogen.

Ob Tenzer zur Übernahme des Postens bereit ist, war auch am Sonntag noch unklar. Tenzer sei nicht zu erreichen, hieß es aus Unternehmenskreisen. Sollte er die Offerte zur Sommer-Nachfolge annehmen, würde er aus der bisher geschlossenen Vorstandsriege ausscheren. Am vergangenen Donnerstag hatte der Vorstand noch eine Solidaritätsadresse für Sommer abgegeben.

Falls Tenzer den Posten annehme, könne das "fatale Folgen" für die künftige Führung der Telekom haben, hieß aus Unternehmenskreisen. Karl-Gerhard Eick, der zwischenzeitlich im Gespräch war, als Vorstandsvize eine Doppelspitze mit Tenzer zu bilden, ließ sofort wissen, er stehe nicht zur Verfügung.

Tenzers bisherige Leistung wird äußerst positiv bewertet. Im Rahmen seines Vorstandsbereichs wird ihm "gute Arbeit" bescheinigt. Er gilt als menschlich integer. Siemens-Chef Heinrich von Pierer schätzt ihn als harten Verhandlungspartner. An den Finanzmärkten ist Tenzer jedoch so gut wie überhaupt noch nicht in Erscheinung getreten. Von Pierer jedenfalls teilt die Skepsis der Kapitalmärkte nicht. Es sei nicht unwichtig, dass ein Vorstandschef technologisch auf der Höhe sei, sagte er.

Quelle: n-tv.de