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"Radikaler Konservativer" Gerhard Löwenthal gestorben

Der Journalist Gerhard Löwenthal, der fast 20 Jahre lang die Sendung "ZDF-Magazin" moderierte, ist tot. Wie der Mainzer Sender mitteilte, starb Löwenthal bereits am Freitag - zwei Tage vor seinem 80. Geburtstag.

In der Geschichte der Bundesrepublik hat kaum ein anderer Moderator das Fernsehpublikum so polarisiert wie Löwenthal. Der erklärte Antikommunist, der sich selbst als "radikalen Konservativen" bezeichnete, prangerte in der Zeit von Januar 1969 bis Dezember 1987 stets mittwochs zur besten Sendezeit etwa Menschenrechtsverletzungen im damaligen Ostblock an oder zog gegen die Ostpolitik von SPD-Kanzler Willy Brandt zu Felde.

Für die deutsche Linke wurde Löwenthal zur Reizfigur. Doch während in Westdeutschland die anfangs mit 25 Prozent sehr hohe Einschaltquote immer mehr sank, verfolgten etwa 30 bis 50 Prozent der Fernsehzuseher in der DDR sein Programm. In West wie Ost galt das "ZDF-Magazin" für viele als propagandistisches Gegenstück der Bundesrepublik zum "Schwarzen Kanal" von Karl-Eduard Schnitzler in der DDR.

Nach 585 Sendungen wurde Löwenthal in die "Zwangspensionierung" geschickt, wie er es selbst sah. Er verlegte sich auf Vorträge zur Deutschlandpolitik, häufig vor studentischen Verbindungen, um, so sagte er, seine "Lebenserfahrungen an Jüngere weiterzugeben". Löwenthals Beiträge wurden auch in stramm konservativen Blättern wie dem "Deutschland-Magazin" oder der "Jungen Freiheit" gedruckt.

Am 8. Dezember 1922 in Berlin als Sohn eines jüdischen Fabrikanten geboren, war Löwenthal während der NS-Diktatur zeitweise im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Nach dem Krieg studierte er an der Berliner Humboldt-Universität Medizin, wechselte nach Streitigkeiten mit der SED jedoch in den Westteil der Stadt. Vor seinem Einstieg beim ZDF arbeitete er unter anderem als Reporter und Redakteur beim RIAS.

Quelle: n-tv.de