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Charles & Camilla Glückliches Ende einer Affäre

Es ist das glückliche Ende einer Affäre, aber ein riskantes Manöver für die britische Monarchie. Mit der Legalisierung der seit mehr als drei Jahrzehnten währenden Beziehung zwischen Prinz Charles und Camilla Parker Bowles will das britische Königshaus Ordnung bringen in seine manchmal etwas schlampigen Angelegenheiten. "Auch die Windsors mögen keine unsauberen Ecken in ihrer Familie", sagt BBC-Hofkorrespondent Nicholas Witchell. Doch juristisch und politisch ist dieser Akt des Aufräumens höchst kompliziert. Und die Konsequenzen für die Monarchie sind noch gar nicht abzusehen.

Schon die Titelfrage war problematisch und die Wortwahl gequält: "Königin Camilla" wäre den Untertanen Ihrer Majestät nicht zu vermitteln gewesen. Selbst wenn Charles Nachfolger seiner Mutter und damit König würde, darf die Frau an seiner Seite nicht Königin werden. "Prinzessin von Wales", der nahe liegende Titel für die Gemahlin des Prinzen von Wales, hätte den für Camilla höchst problematischen Vergleich mit Diana heraufbeschworen, seit ihrem Unfalltod 1997 "Prinzessin der Herzen". Nun also "Princess Consort", Prinzessin-Gemahlin - ein Titel, den es seit 140 Jahren offiziell nicht mehr gegeben hat.

Dabei unterscheiden die meisten Briten fein zwischen dem privaten Glück ihres Thronfolgers und Fragen der Staatsräson: "Er sollte heiraten, wenn es ihn glücklich macht. Aber er sollte sich an die Regeln halten und nicht König werden", schreibt Paul Adderson aus Leeds in einer Online-Umfrage. "Heirate sie, wenn du willst, aber vergiss den Thron", meint D. Brenner aus Johannesburg. Viele Briten wollen ohnehin lieber Prinz William (22), den ältesten Sohn von Charles und Diana, als Nachfolger von Königin Elizabeth II. sehen.

Ein König Charles, geschieden und wiederverheiratet mit einer Geschiedenen, würde mit der Thronbesteigung zugleich zum weltlichen Oberhaupt der anglikanischen Kirche werden - ein Vorgang, der konservativen Amtsträgern und Mitgliedern der Staatskirche höchst suspekt ist. Der liberale Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, ließ zwar schon vor einigen Jahren erkennen, er würde sich auch einer Hochzeit des Thronfolgers mit Camilla nicht widersetzen. Aber die ohnehin von inneren Konflikten etwa über homosexuelle Priester zerrissene Kirche wird dies kaum geschlossen mittragen.

Seit Jahren hat Charles die Hochzeit Schritt für Schritt vorbereitet und den Briten Zeit gelassen, sich an Camilla zu gewöhnen. Doch das Verfahren bleibt heikel. Dies wird auch daran sichtbar, dass Charles und Camilla am 8. April auf Schloss Windsor nur in einer standesamtlichen Zeremonie getraut werden. Den kirchlichen Segen gibt es erst danach. Vieles dürfte für Charles' Chancen auf den Thron davon abhängen, wie die Briten dieses Verfahren akzeptieren. Denn das Trauma sitzt nach wie vor tief: "Die dunkelste Stunde der Monarchie in den letzten 100 Jahren kam, als ein König eine geschiedene Frau heiraten wollte", erinnerte BBC-Experte Witchell an die Affäre des damaligen Königs mit Wallis Simpson.

Edward VIII. musste 1936 abdanken, und Charles' Großvater rettete als George VI. die Monarchie. Doch in den letzten Jahren hat das Haus Windsor durch Skandale und Affären viel Kredit verspielt. "Soll Charles doch Camilla heiraten", meint John aus Milton Keynes. "Aber wir wollen dafür nicht zahlen." Die Gegner der Monarchie in Großbritannien sind zwar eine Minderheit geblieben, aber das heißt nicht, wie Hofberichterstatter Witchell weiß, dass die Zukunft gesichert wäre: "Die größte Bedrohung für die Monarchie liegt darin, dass die Leute sich nicht mehr darum scheren, was aus ihr wird."
Von Thomas Lanig, dpa

Quelle: n-tv.de