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"Total spießig" Goldener Bär für Pornostar

"So was gibt's nur im Märchen", schrieb am vergangenen Donnerstag die "Berliner Morgenpost" über die Filmkarriere der 23-jährigen Sibel Kekilli, Hauptdarstellerin des Berlinale-Gewinners "Gegen die Wand". Die Deutschtürkin verbreitete nämlich, "beim Shoppen in Köln" für den Film entdeckt worden zu sein. "Noch heute kann sie das kaum fassen und hat vor lauter Überraschung vergessen, wo das gewesen ist. Im Supermarkt oder in der Boutique", schrieb das Blatt und fügte hinzu: "Eigentlich ist sie Verwaltungsfachangestellte. 'Total spießig.' Und war zuständig für Entsorgungsbetriebe. Also für den Müll. Aber das ist jetzt - entsorgt."

Nicht ganz entsorgen konnte die Schauspielerin allerdings ihre dann doch nicht ganz so spießige Vergangenheit und die Tatsache, dass sie doch schon gelegentlich vor der Kamera gestanden hatte - in mehreren Pornostreifen unter dem Pseudonym Dilara.

"Als deutsche Türkin ist Dilara eine Rarität auf dem Pornomarkt. Das türkische Früchtchen steht beim deutschen Label 'Magma' unter Vertrag und macht kein Geheimnis daraus, dass es voll auf harten Sex abfährt", heißt es in einem Werbe-Porträt über Kekilli. Für die Produktionsfirma Magma drehte sie allein sechs Streifen mit so aparten Titeln wie "Megageile Kükenfarm" oder "Die verfickte Praxis". Auch für zwei weitere Porno-Produzenten soll Dilara gearbeitet haben. Vor eineinhalb Jahren hängte sie den Job an den Nagel. "Das ist Vergangenheit", sagt sie heute.

Eigentlich also alles kein Thema. Schließlich sind zum Glück auch wir nicht spießig. Doch gerade darum fragt man sich, warum Kekilli nicht offensiver mit ihrer Patchwork-Biografie umgeht und sich stattdessen eine "Tellerwäscher-Legende" andichtet.

"Gegen die Wand" wird von der Geschichte profitieren. "Goldener Bär" für einen deutsch-türkischen Film mit einer ehemaligen Porno-Darstellerin in der Hauptrolle: Toll!

Quelle: n-tv.de