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"Das sitzt tief" Gracia wird Letzte

Debakel für Deutschland beim 50. Eurovision Song Contest: Gracia landete am Samstagabend mit ihrem Rocksong "Run & Hide" auf dem letzten Platz des 24 Teilnehmer starken Finales in Kiew. Griechenland gewann zum ersten Mal in der Geschichte den Grand Prix.

Die Sängerin Helena Paparizou überzeugte mit ihrem feurigen, orientalisch angehauchten Song "My Number One" vor mehr als 100 Millionen Fernsehzuschauern in ganz Europa. Die Griechin, Dritte beim Grand Prix 2001, zählte zu den Favoriten beim diesjährigen Wettbewerb. Sofort nach ihrem Sieg strömten in Griechenland tausende Menschen zum Feiern auf die Straßen; in der Hauptstadt Athen wurden Leuchtraketen und Feuerwerk abgebrannt.

Die energiegeladene Show vor etwa 6000 Zuschauern im Sportpalast und Zehntausenden vor Großbildleinwänden im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt Kiew war geprägt von fetzig-rockigen Tanznummern, die oftmals mit folkloristischen Elementen gespickt waren. Überraschend belegten in diesem Feld aber auch leisere Nummern vordere Plätze, so sang sich Chiara aus Malta mit ihrer Ballade "Angel" auf Platz zwei. Auf Rang drei landete die Rumänin Luminita Anghel, deren Begleitband zu dem Popsong "Let Me Try"gekonnt wild auf Fässer und andere Gegenstände trommelte. Insgesamt fielen die meisten Teilnehmer durch ihre Professionalität und musikalische Qualität auf.

Die Siegerin zeigte sich überglücklich über den historischen Triumph. "Endlich ist der Wettbewerb in Griechenland angekommen", sagte sie mit Blick auf das Finale im kommenden Jahr in Athen. "Als eine Botschafterin lade ich alle nach Griechenland ein." Ihr Siegertitel verbinde traditionelle und heutige Rhythmen. "Es ist ein typisches griechisches Lied in einer sehr modernen Version", sagte Paparizou.

Gracia versuchte nicht allzu enttäuscht zu sein. "Ihr habt das Lied gewählt. Und ich glaube, wir haben euch trotzdem so vertreten, dass wir stolz nach Hause fahren können", sagte sie den Zuschauern der ARD-Grand-Prix-Show kurz nach Ende des Eurovision Song Contest. "Am Lied und an der Performance würde ich nichts ändern." Sie und ihre Band hätten alles gegeben, was sie konnten. "Es konnte nur einer Erster werden, und einer musste ja auch Letzter werden", meinte sie.

Die 22-Jährige wirkte bei ihrem Auftritt mit der Startnummer 17 nervöser als sonst. Beim Refrain ihres Songs überschlug sich ihre Stimme fast. Zudem schaffte es die solide, aber normale Rocknummer nicht, sich aus dem guten Teilnehmerfeld hervorzuheben. In der Abstimmung, an der erstmals alle 39 für den Grand Prix gemeldeten Länder teilnahmen, war schnell klar, dass sie keine Chance haben würde. Lediglich Monaco und Moldawien gaben dem deutschen Beitrag je zwei Punkte. Damit belegte Deutschland zum fünften Mal überhaupt den letzten Platz. Zuletzt war dort 1995 die Band Stone & Stone gelandet, mit nur einem einzigen Punkt. Dennoch ist Deutschland im kommenden Jahr im Finale dabei - als großer Beitragszahler der Europäischen Rundfunk-Union (EBU) ist die Bundesrepublik automatisch qualifiziert.

Auf Deutschlands größter Grand-Prix-Party in Hamburg feierten tausende Fans bis in die Nacht. Besonders ausgelassene Stimmung herrschte kurz nach Mitternacht, als Moderator Thomas Hermanns live von der Reeperbahn die deutschen Länderpunkte verkündete. Unter dem Jubel des Publikums gab es zwölf Punkte für Griechenland, und auch die Türkei wurde mit zehn Punkten traditionell gut bedacht.

Quelle: n-tv.de

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