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Zugunglück in Mosambik Grund war Fahrlässigkeit

Beim schwersten Zugunglück in der Geschichte Mosambiks sind am Samstag fast 200 Menschen getötet und etwa 400 weitere verletzt worden. Verantwortlich für die Katastrophe war offenbar der Lokführer, wie die Eisenbahngesellschaft am Sonntag mitteilte.

Der aus Personen- und Güterwaggons bestehende Zug blieb am Samstag gegen 05.00 Uhr in Moamba, etwa 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt Maputo, wegen eines mechanischen Defekts an einer Gefällstrecke liegen. Der Lokführer trennte die hinten angekoppelten Personenwaggons von den Güterwaggons, wie Eisenbahn-Sprecher Antonio Libombo sagte. Die Personenwaggons versuchte er mit vier schweren Steinen so zu sichern, dass sie nicht abrutschen konnten. Die Güterwaggons wollte er zu einem nahe gelegenen Bahnhof fahren. Die Steine konnten aber offenbar den Personenzug nicht halten, dieser kam ins Rutschen und prallte auf den Güterzug auf. Bahnmitarbeiter berichteten, als die Waggons aufeinander stießen, habe es ausgesehen wie bei einer starken Explosion.

Verkehrsminister Tomas Salomao sagte, die Ermittlungen zum Hergang des Unglücks seien noch im Gange, nach ersten Erkenntnissen gehe man jedoch von menschlichem Versagen aus. An der Unglücksstelle bot sich den Rettungskräften ein Bild des Schreckens. Viele Opfer waren in den Trümmern des Zuges eingeklemmt. "Die Passagiere starben in unseren Armen, weil wir sie nicht schnell genug herausbekommen haben," sagte ein Polizist. Bis Sonntag wurden laut Verkehrsminister Salomao alle 196 Opfer geborgen.

Präsident Joaquim Chissano sprach von einer nationalen Tragödie und rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Noch an der Unglücksstelle rief die Mosambikaner zu dringend benötigten Blutspenden auf. Chissano forderte auch eine bessere Ausbildung des Eisenbahnpersonals. Aus solchen Unfällen müssten Lehren gezogen werden, erklärte er, warnte aber vor voreiligen Schuldzuweisungen.

Mosambik gilt als einer der ärmsten Staaten der Welt. Das Land mit seinen knapp 18 Millionen Einwohnern, eine frühere portugiesische Kolonie, hat immer noch unter den Folgen des verheerenden, 16 Jahre dauernden Bürgerkriegs zu leiden, der vor zehn Jahren zu Ende ging.

Quelle: n-tv.de