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Kritisch denkender Sozialist Günther Rücker ist tot

Der Film- und Hörfunkautor Günther Rücker ist tot. Er starb am Sonntag im Alter von 84 Jahren in Meiningen, teilte seine Tochter der Deutschen Presse-Agentur dpa mit. Sie bestätigte damit einen Bericht der Zeitung "Neues Deutschland". Rücker arbeitete seit 1949 beim Rundfunk in Leipzig und später jahrzehntelang in Ostberlin. Er stellte oft politische Themen wie Vietnamkrieg, Fremdenlegion und jüngere deutsche Geschichte, aber auch den DDR-Alltag in den Mittelpunkt seiner Arbeiten.

Zu seinen bekanntesten Filmarbeiten gehörte (zusammen mit dem Autor Wolfgang Kohlhaase) "Der Fall Gleiwitz" (1961) von Gerhard Klein über den Überfall auf den polnischen Sender Gleiwitz, der von den Nationalsozialisten als Anlass für den deutschen Angriff auf Polen inszeniert wurde. Mit dem Regisseur Egon Günther arbeitete Rücker bei dem Film "Der Dritte" (1971) mit Jutta Hoffmann, Rolf Ludwig, Jaecki Schwarz und Armin Mueller-Stahl zusammen.

Heiner Carow drehte mit ihm den Gegenwartsstreifen "Bis dass der Tod euch scheidet" (1979) mit Katrin Saß, Angelica Domröse und Renate Krößner. 1965 führte Rücker Regie bei dem Film "Die besten Jahre" über "das Werden eines Lehrers", ein Film, "der viel über die kulturelle Entwicklung der DDR erzählt", wie es in einem Begleittext hieß. "Hilde, das Dienstmädchen" war 1986 der letzte von insgesamt acht DEFA-Streifen aus seiner Feder, eine autobiografische Erzählung über seine Jugend und das Heraufkommen nationalsozialistischer Tendenzen im Sudetenland.

Zu Rückers beeindruckendsten Filmarbeiten gehörte der DEFA- Streifen "Die Verlobte" (1980), bei dem er zusammen mit Günter Reisch Regie führte. Es ist die Geschichte über eine junge Kommunistin, die dem Nazi-Terror im Zuchthaus widersteht, ein Film nach der Romanvorlage "Haus der schweren Tore" von Eva Lippold.

Mit dem Regisseur und Drehbuchautor Reisch verband Rücker eine langjährige Zusammenarbeit und Freundschaft. Beide hatten schon Rückers Film-Erstling, die DEFA-Komödie ""Junges Gemüse" (1956) auf die Leinwand gebracht. Reisch würdigt Rücker in seinem Nachruf im "Neuen Deutschland" als "kritisch denkenden Sozialisten", als den ihn auch die Schauspielerin Inge Keller sah, die beide miteinander bekanntgemacht hatte. "Rücker schrieb wortgewaltig auf wenigen Blättern Geschichten, die bei anderen Romane gefüllt hätten", meinte sein Freund und Kollege. "Auf kleinsten Raum gedrängt ließ er ausufernde Lebenszeugnisse unserer Zeitgenossen in nachfühlbaren Widersprüchen erlebbar werden."

1992 veröffentlichte Rücker das Buch "Otto Blomow. Geschichte eines Untermieters" über einen jungen Kriegsheimkehrer und Flieger, der sich in der Nachkriegszeit im Osten als Nachtwächter, Radiosprecher und Kreuzworträtsel-Bastler durchschlägt. Nach der Wende war es um Rücker still geworden, nach Jahrzehnten in Berlin zog er sich ins thüringische Meiningen zurück. "Berlin ist für mich eine fremde Stadt geworden", sagte er zu seinem 80. Geburtstag 2004. Rücker wurde am 2. Februar 1924 in Reichenberg (Liberec) im heutigen Tschechien geboren.

Quelle: ntv.de

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