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Netto mit Verlust HP gewinnt operativ

Hewlett Packard (HP) hat in seinem ersten Quartal nach der Fusion mit dem Computerhersteller Compaq einen operativen Gewinn präsentiert. Unter dem Strich verbuchte der Konzern jedoch wegen der hohen Umstrukturierungskosten einen Nettoverlust.

Der Gewinn vor Sonderposten im dritten Quartal des Geschäftsjahres betrug den Angaben zufolge 420 Mio. Dollar oder 14 Cents je Aktie. Analysten von Thomson First Call hatten einen Gewinn je Aktie zwischen 12 und 16 Cents erwartet. Das Nettoergebnis bezifferte HP mit minus zwei Mrd. Dollar oder 67 Cents je Aktie. Im Vorjahr hätte ein fusioniertes Unternehmen einen Verlust von 116 Mrd. Euro oder 67 Cents je Aktie verbucht.

Doch während der Verlust auf dieser Vergleichsbasis deutlich verringert wurde, reichten die vereinten Kräfte nicht, um die Erlöse zu steigern. Der Umsatz sank auf 16,5 Mrd. Euro nach 18,58 Mrd. Euro vereinter Zahlen im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Für das laufende vierte Quartal erwartet HP einen Umsatz von 17,4 Mrd. Dollar und einen Gewinn je Aktie von 0,22 Dollar.

Schwierige Zeiten

Bis es jedoch soweit ist, stehen dem Konzern noch weitere scharfe Einschnitte bevor. HP werde wie geplant, den Abbau von 15.000 Arbeitsplätzen vorantreiben, erklärte Finanzchef Bob Wayman. Das Geschäftsumfeld bezeichnete er als schlechter als erwartet.

Er sehe neue Anzeichen einer Schwäche in der Computerindustrie, so der Finanzchef. Für HP habe sich die Lage in den USA zwar beruhigt, im weltweiten Geschäft gebe es aber noch einige Risiken.

Die Zweifel der Analysten

Die Aussagen des Finanzchefs dürften nicht gerade zur Beruhigung der besorgten Analysten beigetragen haben. Sie hatten sich von dem Ergebnis bereits eine Aussage über Erfolg oder Mißerfolg der Fusion mit dem Computerhersteller Compaq erhofft.

Stattdessen wurden ihre Sorgen über die schwierige Marktlage bestätigt. Schon im Vorfeld der Zahlen hatten Kritiker bemängelt, dass Hewlett Packard in den letzten Monaten Marktanteile an den Computerhersteller Dell abgeben musste. Merrill Lynch Analyst Steve Milunovich erklärte gegenüber dem „Wall Street Journal“: Wir wollen wissen, was sie [HP] tun, um zurück zu schlagen“.

Der Verlust der Marktanteile wird dabei nicht nur auf den derzeit flauen Markt für Personalcomputer zurückgeführt, Konkurrenz droht auch von ganz anderer Seite. Dell kündigte vor wenigen Wochen an, einen Einstieg in den Markt für Drucker zu untersuchen. Besonders ertragsträchtig ist hierbei das Geschäft mit Tonerkartuschen. HP ist in diesem Bereich bereits seit Jahren mit Erfolg positioniert. Im Bereich der IT-Dienstleistungen greift ein anderer Big Name an. International Business Machines, IBM, hat auf diesem Gebiet eine neue Offensive gestartet. Ebenfalls vor Kurzem übernahm der Bürogerätehersteller die internationale Beratungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers (PWC).

Einflussreiche Kürzungen

Während auf dem Sektor der Personalcomputer eher schwächere Leistungen erwartet werden, trauen die Analysten HP im Bereich der Dienstleistungen eine Steigerung zu. Besonderes Augenmerk werden die Beobachter auch auf das Ergebnis der Kosteneinsparungen legen, die Hewlett Packard seit der Fusion beispielweise durch Entlassungen realisiert hat. Von den bereits angekündigten 15.000 Mitarbeitern sollen 10.000 bis zum Ende des Fiskal-Jahres Ende Oktober das Unternehmen verlassen. Weitere 5.000 sollen im nächsten Jahr gehen.

Weitere Stolpersteine auf dem Weg zu neuem Ruhm sind die Einführung der neuen Produktlinie sowie die Zusammenführung unterschiedlicher technologischer Standards, verwies die Unternehmenschefin in ihrer Erklärung zu den Integrationsschritten im Juni.

Längerfristige Betrachtungen

Marktstimmen warnen, allzu deutliche Schlüsse aus dem ersten „gemeinsamen“ Quartal zu ziehen. Hewlett Packard könne seine Bilanzen mit den rasch vollzogenen Kostenschritten wesentlich beeinflussen. Aussagekräftiger wären die Aussichten für das Gesamtjahr.

Der fusionsbedingte Umsatzrückgang soll auf 4,9 Prozent oder 4,1 Mrd. Dollar des kombinierten Jahresumsatzes (85,1 Mrd. Dollar) begrenzt werden, kündigte das HP-Management an. Die Analysten rechnen hier allerdings mit bis zu zehn Prozent Einbußen. Die Kosten sollen sich im laufenden Jahr um zwei Mrd. Dollar, ab Mitte 2004 jährlich um 2,5 Mrd. Dollar reduzieren, so HP weiter. Dabei sollen die Gewinne im ersten vollen Geschäftsjahr um 13 Prozent wachsen.

Im Mai hatte sich Hewlett Packard (HP) über den letzten Widerstand gegen die Fusion hinweg gesetzt. Der Sohn des HP-Gründers Bill Hewlett, Walter, hatte bis dahin versucht, Aktionäre gegen das 19 Mrd. Dollar Geschäft einzunehmen und selbst geklagt. Ohne Erfolg. HP-Chefin Carly Fiorina erzielte auf der Hauptversammlung die notwendige, wenn auch knappe Mehrheit der Stimmen.

Quelle: ntv.de

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