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Vattenfall übernimmt Anteile Hamburg verkauft HEW-Rest

(Reuters) - Für knapp 870 Mio. Euro verkauft die Hansestadt Hamburg ihren restlichen Anteil von 25,1 Prozent an der Hamburgischen Electricitäts-Werke AG (HEW) an Mehrheitsaktionär Vattenfall.

Der schwedische Energiekonzern hält bereits knapp 74 Prozent an HEW und schließt den Hamburger Stromkonzern, den Berliner Versorger Bewag und die beiden ostdeutschen Unternehmen Veag und Laubag unter dem Namen Vattenfall Europe zum drittgrößten deutschen Stromkonzern zusammen. Finanzsenator Wolfgang Peiner (CDU) teilte am Dienstag mit, Hamburg übe eine mit Vattenfall zu diesem Preis vereinbarte Verkaufsoption vorzeitig aus. Der Erlös solle eingesetzt werden, um die Zinslast der Hansestadt zu verringern.

Für die über 3000 HEW-Beschäftigten sei bis Ende 2005 eine Beschäftigungsgarantie vereinbart worden, sagte Peiner. Der Übereinkunft zufolge soll das operative Geschäft von HEW seinen Sitz in der Hansestadt behalten. In den ersten fünf Monaten verbuchte die HEW ein leicht rückläufiges Ergebnis, rechnet für das Gesamtjahr aber mit einem zum Vorjahr stabilen Ertrag.

Hamburg hatte 1999 einen HEW-Anteil von 25,1 für 1,7 Mrd. Mark an Vattenfall verkauft. Den gleichen Preis erzielte die Landesregierung - nun in Euro - auch für die verbliebene Beteiligung. Im Jahr 1997 hatte Hamburg bereits einen Anteil von 25,1 Prozent für 1,27 Milliarden Euro verkauft.

Die seit vergangenen September amtierende Regierungskoalition aus CDU, FDP und Schill-Partei hatte zunächst erwogen, den Anteil entgegen einer Entscheidung der SPD-geführten Vorgängerregierung vorerst weiter zu behalten. Durch den jetzt vereinbarten Verkauf soll die für 2002 erwartete Zinslast im Landeshaushalt von knapp 1,2 Mrd. Euro um 75 Mio. verringert werden. Für 2002 erwartet die Finanzbehörde einen Schuldenstand einschließlich der landeseigenen Wohnungsbaukreditanstalt von 22,081 Mrd. Euro.

HEW teilte mit, der Umsatz habe sich von Januar bis Mai bereinigt um Innenumsätze und Stromsteuer um 43 Prozent auf 1,4 Mrd. Euro erhöht. Zugleich hätten höhere Strombezugskosten dafür gesorgt, dass das operative Ergebnis das Vorjahresniveau unterschritten habe. Außerdem habe wegen des ungeplanten Stillstands des Atomkraftwerks Brunsbüttel Strom auf dem Markt hinzugekauft werden müssen. Im abgelaufenen Jahr erhöhte der Konzern seinen Umsatz den Angaben zufolge um 55 Prozent auf 4,1 Mrd. Euro, wozu im wesentlichen Veränderungen im Konsolidierungskreis beitrugen.

Aus dem vor allem durch außerordentliche Erträge um 169 Mio. Euro auf 233 Mio. Euro erhöhten Jahresüberschuss der Stammgesellschaft sollen die Aktionäre eine um zwei Prozent erhöhte Dividende von 74 Cent je Aktie erhalten. Vattenfall bereitet seit längerem zusammen mit den Hamburgischen Electricitäts-Werken, der Bewag und den ostdeutschen Unternehmen Veag und Laubag die Bildung des drittgrößten Stromversorgers in Deutschland vor.

Die gesellschaftsrechtlichen Voraussetzungen dafür soll die HEW-Hauptversammmlung am 21. August schaffen. Dabei soll die Holdinggesellschaft Veag Vereinigte Kraftwerke AG auf die Holdinggesellschaft Hamburgische Electricitäts-Werke AG verschmolzen und das operative Geschäft der HEW auf eine eigene Gesellschaft ausgegliedert werden. Während der Aufbau der Konzernstruktur des neuen Stromriesen weitestgehend bis Ende August abgeschlossen sein soll, ist die Integration der Bewag den Angaben zufolge wegen eines anderen Geschäftsjahres erst Anfang kommenden Jahres möglich.

Quelle: n-tv.de