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Proteste gegen "singenden Nazi" Heesters in Amersfoort gefeiert

Der aus den Niederlanden stammende Sänger Johannes Heesters tritt zum ersten Mal nach fast einem halben Jahrhundert des Boykotts wieder in seiner Heimat auf. Vor einem begeisterten Publikum in seiner Geburtsstadt Amersfoort singt der 104 Jahre alte Operettenstar etwa ein Dutzend Lieder. Bewegt bedankt er sich dafür, zu diesem Auftritt eingeladen worden zu sein.

Heesters war 1935 nach Deutschland gezogen und hatte unter den Nationalsozialisten eine steile Karriere gemacht. Deswegen war er 44 Jahre lang von niederländischen Bühnen boykottiert worden. Eine antifaschistische und eine kommunistische Gruppe hatten zum Protest gegen seinen Auftritt aufgerufen. An der Demonstration beteiligten sich weniger als 100 Menschen. Auf Plakaten bezeichneten sie Heesters als "singenden Nazi".

Im Theater galten schärfste Sicherheitsmaßnahmen. Der Abend verlief ungestört. Mit kräftiger Stimme sang Heesters noch einmal Beispiele seiner Paraderollen wie "der Bettelstudent". Auf den Streit um seine Vergangenheit ging er in seinen kurzen und launigen Bemerkungen in deutscher Sprache nicht ein. Mit den Worten "das war für mich der schönste Abend" beendete der greise Sänger das Programm, durch das ihn seine Frau Simone Rethel begleitete.

Quelle: n-tv.de

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