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Samstag, 15. März 2003

Dolf-Sternberger-Preis: Helmut Schmidt auszeichnet

Alt-Kanzler Helmut Schmidt (SPD) ist in Berlin mit dem Dolf-Sternberger-Preis für öffentliche Rede ausgezeichnet worden. Schmidt habe in seinen Reden Augenmaß und Leidenschaft verbunden und Mut zur Wahrheit gezeigt, sagte der ehemalige sächsische Ministerpräsident, Kurt Biedenkopf (CDU), in seiner Laudatio.

Schmidt mahnte bei Regierung und Opposition mutige Reformen an. Weder Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) noch CDU-Chefin Angela Merkel wollten weit genug gehen, sagte er in seiner Dankesrede.

Der Alt-Kanzler forderte "Entschlusskraft zu konsequenter Therapie und die Tapferkeit gegenüber tausend partitiellen Interessen, Vorurteilen und Widerständen". Die wirtschaftliche Lage in Deutschland sei - vor allem im Osten - kritisch. Dies liege nicht nur an der Wirtschaftsflaute, sondern auch an einem "erstickenden Geflecht von tausend gesetzlichen Vorschriften".

Mit der neuen Generation von Politikern ging Schmidt hart ins Gericht. "Allzu viele der politischen Führungspersonen waren allzu sehr auf kleine taktische Vorteile bedacht, auf ihre Popularität beim Fernsehpublikum oder auf ihren Rang in albernen Meinungsumfragen", sagte er. Politiker müssten Glaubwürdigkeit zurückgewinnen und die Lasten von Sozialreformen gerecht verteilen. "Wir dürfen nicht zulassen, dass (Ludwig) Erhards und (Karl) Schillers Konzept einer sozialen Marktwirtschaft zu raubtierkapitalistischem Spekulationismus missbraucht wird."

Besorgt äußerte sich der Alt-Kanzler über die europäische Integration, die er in seiner Amtszeit (1974-1982) wesentlich vorangebracht hatte. Die Differenzen in der Irak-Frage hätten das Reden über eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik als "Geschwätz ohne realen Inhalt" entlarvt. Ohne Kompromisse gerate der europäische Integrationsprozess in Gefahr. Die EU solle sich gegenüber der Supermacht USA geschlossen für eine Stärkung der Vereinten Nationen stark machen, appellierte Schmidt.

Der Dolf-Sternberger-Preis wird von der Heidelberger Dolf-Sternberger-Gesellschaft in Erinnerung an den 1989 gestorbenen Politologen und Publizisten alle zwei Jahre vergeben. Die Auszeichnung soll an den Zusammenhang von Politik und Sprache erinnern. Auch der frühere SPD-Bundeskanzler Willy Brandt, der Schriftsteller Martin Walser, der frühere CDU-Vorsitzende Wolfgang Schäuble und der ehemalige Leiter der Gauck Behörde, Joachim Gauck, wurden schon geehrt.

Quelle: n-tv.de