Archiv

"The Producers" Hitler in Berlin

Das schrille Musical "The Producers - Frühling für Hitler" ist am Sonntag bei der offiziellen Deutschlandpremiere in Berlin überschwänglich gefeiert worden. Das Stück basiert auf einem Film des amerikanischen Komikers Mel Brooks aus dem Jahr 1968.

Es hatte schon das Broadway-Publikum begeistert. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sprach nach der Premiere von einer gelungenen Persiflage und einem großartigen Erfolg für den Admiralspalast.

In dem Stück geht um einen erfolglosen Broadway-Produzenten, der mit einem Hitler-Musical einen gigantischen Flop produzieren möchte, um sich dann mit dem Geld der Investoren nach Rio de Janeiro abzusetzen. Entgegen allen Erwartungen wird das Stück aber als geniale Satire wahrgenommen und ein riesiger Erfolg.


"Die wirklich wahrste Wahrheit"

Der Regisseur Dani Levi, der mit seinem Film "Mein Führer - die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler" eine Debatte darüber ausgelöst hatte, ob man in Deutschland eine Komödie über Hitler machen dürfe, lobte das Musical als gute Unterhaltung. "Es ist immer die Frage, auf welcher Seite man lacht", sagte Levi der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Und das ist bei dem Stück ja einfach".
Das Musical bedient viele Klischees vom schwulen Hitler, über alte Damen, die Geld für Liebe geben, die Freundschaft, die über dem Betrug steht, und einen bayerischen Taubenzüchter, der sagt, "Adolf Elisabeth Hitler" entstamme "einer langen Ahnenreihe britischer Queens." Flotte Melodien und Tänze, glitzernde Kostüme und die Wiener Besetzung begeisterten das Premierenpublikum wie schon die Zuschauer einer Voraufführung am Freitagabend.

Berliner verstehen den Plot

Am New Yorker Broadway, wo das Musical 2001 zum ersten Mal auf die Bühne kam, wurde es zu einer der erfolgreichsten Shows der vergangenen 30 Jahre. Ganze zwölf Mal wurde es mit dem Musical-Preis "Tony Award" ausgezeichnet, der als wichtigster amerikanischer Theaterpreis gilt.

Der 82-jährige Brooks, Sohn jüdischer Immigranten, hatte Berlin im Vorfeld der Aufführung als "natürlichsten Ort in Deutschland für diese Show" bezeichnet. "Ich weiß, dass die Berliner den Plot verstehen", sagte er. Zur Premiere selbst war er allerdings nicht gekommen, aus Angst wie er sagte, "weil ... ein Scharfschütze lauern könnte, der findet, dass ich den Namen des Führers geschändet habe". Auch die weibliche Hauptdarstellerin Bettina Mönch, die in der Rolle der schwedischen Schönheit Ulla Inga Hansen Benson Yansen Tallen Hallen Svaden Swanson - und das ist nur ihr Vorname - auf der Bühne steht, hatte ein "sehr aufgeschlossenes" Berliner Publikum erwartet - und wurde nicht enttäuscht.

In Wien, wo das Stück vor einem Jahr erstmals in Deutsch auf die Bühne kam, war das Stück von der Kritik gelobt worden, wurde aber nicht der erhoffte Publikumsrenner. Die Produktion wurde vorzeitig vom Spielplan genommen. Nach Angaben der Vereinigten Wiener Bühnen (VWB) hatte das Musical seit seiner Premiere am 30. Juni eine Gesamtauslastung von rund 70 Prozent.

Quelle: n-tv.de, dpa