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Freitag, 25. Februar 2005

Wie ein Blinder von der Farbe: Hochhuth hatte keine Ahnung

Die Wochenzeitung "Junge Freiheit" erklärt in einer Presseerklärung, der Dichter Rolf Hochhuth habe sich in den vergangenen Jahren schon mehrfach in Beiträgen und Interviews auf ihren Seiten geäußert. Das Blatt wollte mit dieser Stellungnahme Berichten entgegentreten, Hochhuth habe nicht gewusst, welcher Zeitung er das aktuelle Interview zum Thema Irving gegeben hat.

So habe Hochhuth anlässlich des Todes von Ernst Jünger für die Zeitung einen Nachruf verfasst, der am 27. Februar 1998 erschienen sei.

Außerdem sei in der Wochenzeitung am 20. Oktober 2000 ein ausführliches Interview mit dem Autor erschienen.

Hochhuth hatte sich zuvor für seine Äußerungen über den Holocaust-Leugner David Irving entschuldigt. Er habe "nicht den Rechten das Wort reden wollen", sagte Hochhuth der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft in Wuppertal laut deren Angaben in einer Stellungnahme. Er bedaure es aufrichtig, wenn durch sein Interview in der ultrarechten Wochenzeitung "Junge Freiheit " Gefühle der jüdischen Bürger verletzt worden sein sollten. Hochhuth: "Nichts lag mir ferner. Ich kannte diese Zeitschrift vorher nicht", so Hochhuth.

Der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft sagte Hochhuth weiter: "Die späten Äußerungen des Historikers David Irving waren mir nicht bekannt. Ich wollte keine Neuauflage des Historiker-Streits. Im Gegenteil. Ich habe den britischen Autor und seinen Wahn kritisiert, Hitler hätte erst ein halbes Jahr nach dem Beginn der Vergasungen in Auschwitz von diesen Verbrechen gehört."

Zuvor hatte Hochhuth den Briten Irving als einen ehrenwerten Mann und als Historiker bezeichnet, der "sehr viel seriöser als viele deutsche Historiker" sei. Noch am Montag hatte Hochhuth der dpa gesagt, er "stehe zu jedem Satz, der im Interview der "Jungen Freiheit" steht".

Der Publizist Ralph Giordano hatte Hochhuths Äußerungen zu Irving als "eine der größten Enttäuschungen der letzten 60 Jahre" kritisiert. "Es gibt keinen Akt des Nachtretens, der den Ermordeten im Deutschland nach 1945 erspart geblieben wäre", schrieb Giordano (81) in einem in Köln veröffentlichten Brief an Hochhuth. Dieser rücke mit seiner "Ehrenerklärung" für Irving nun selbst in die Nähe der Nachtreter.

Irving war 1993 vom Landgericht München wegen Beleidigung und Verunglimpfung des Ansehens Verstorbener zu 30.000 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Der Brite hatte bei einer Veranstaltung in München behauptet, man wisse inzwischen, "dass die den Touristen in Auschwitz gezeigte Gaskammer eine Attrappe ist, die nach dem Kriegsende von den Polen gebaut wurde". Paul Spiegel, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, hatte Hochhuth ebenfalls scharf kritisiert: "Wenn Hochhuth den Briten als angeblich seriösen Wissenschaftler in Schutz nimmt, macht er sich dessen Position zu eigen und leugnet damit selbst den Holocaust", hatte Spiegel gesagt.

Giordano schrieb, er erinnere sich sehr genau, wie Irving im deutschen Fernsehen den Völkermord an den Juden im deutsch besetzten Europa "auf das Widerwärtigste geleugnet" habe.

Quelle: n-tv.de