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Milliardenspritze abgesegnet Hoffnung für Walter Bau

Die knapp 10.000 Beschäftigten des angeschlagenen Augsburger Bauriesen Walter können nach zweiwöchigem Bangen Hoffnung schöpfen. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen einigten sich die 27 Banken des drittgrößten deutschen Baukonzerns auf die Verlängerung von Bürgschaften im Volumen von 1,5 Mrd. Euro. Als letzte der zögerlichen Institute hätten das niederländische Institut ABN Amro und der französische Kreditversicherer Coface zugestimmt, hieß es am Donnerstagabend.

Mit der Verlängerung der Bürgschaften ist der zentrale Baustein bei der finanziellen Stützung des von Insolvenz bedrohten Bauunternehmens perfekt. Nun stehe noch die angestrebte Zwischenfinanzierung aus, hieß es weiter in den Unternehmenskreisen. Dabei geht es um eine Liquiditätsspritze, die Walter Bau vorab für den geplanten Verkauf der Bautechnik-Tochter DSI erhalten soll.

Zugleich wurde bestätigt, dass in Bankenkreisen angestrebt sei, dass Hauptaktionär Ignaz Walter Kapital abgibt und damit Platz macht für Investoren. „Es geht schlicht um eine Gesellschaftsform, die erlaubt, dass der Gesellschafter Kapital abgibt und damit Platz macht für Investoren.“ Nach Angaben aus den Kreisen gilt als sicher, dass sich Konzerngründer Ignaz Walter bereit erklären wird, diese zentrale Forderung der Banken zu erfüllen.

Zuvor hatte bereits das „Handelsblatt“ (Freitagausgabe) von einer Auffanglösung berichtet. Demnach Konzept müsste Walter als Hauptaktionär etwa 40 Prozent seiner Aktien an Investoren abgeben, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Verhandlungskreise. Diese Lösung gilt als wesentlicher Bestandteil des gesamten Rettungsplanes und als Zugeständnis vor allem an die Institute, die sich länger gegen eine Beteiligung an der Lösung der Walter-Krise gesträubt hatten.

Zuvor war ein erster Insolvenzantrag beim Amtsgericht Augsburg abgelehnt worden. Ein westdeutsches Unternehmen habe den Antrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt, sagte Amtsgerichtspräsident Werner Möstel der dpa. Die Gläubigerin habe jedoch keine Gründe für die Zahlungsunfähigkeit von Walter Bau glaubhaft machen oder konkrete Forderungen vorlegen können.

Dem Vernehmen nach hatten sich mehrere Geldgeber bereit erklärt, Walter Bau eine Liquiditätsspritze zur Verfügung zu stellen. Sie wollten den erwarteten Erlös aus dem geplanten Verkauf der profitablen Bautechnik-Tochter DSI vorab Walter Bau zur Verfügung stellen. Der Verkauf galt als umstritten, weil damit die profitable Tochter aus dem Konzern herausgelöst würde. Voraussetzung für die Überbrückungsfinanzierung war die Zustimmung des aus 27 Mitgliedern bestehenden Bankenkonsortiums.

Zuletzt war bekannt geworden, dass die Bankgesellschaft Berlin den Rettungsplan grundsätzlich unterstützt. Neben ABN Amro stand auch noch eine Zustimmung des Kreditversicherers Coface aus, nachdem es zunächst geheißen hatte, auch er stehe dem Konzept positiv gegenüber. Die Bankgesellschaft Berlin hatte zudem nach Angaben aus Gläubigerkreisen Bedingungen gestellt und beispielsweise darauf gedrängt, dass sich Gründer Ignaz Walter über eine Kapitalerhöhung finanziell an der Sanierung beteiligt.

Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ sind die Januar-Löhne für die bei Walter Bau beschäftigten Arbeiter am 15. Januar ausgezahlt worden. Auch die Angestellten-Gehälter für Januar seien gesichert. Walter Bau als Deutschlands drittgrößter Baukonzern hat rund 10.000 Beschäftigte. Der Konzern führt seine aktuellen Finanzschwierigkeiten auf unbezahlte Rechnungen in Höhe von rund 450 Mio Euro zurück.

Quelle: n-tv.de

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