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Traumhochzeit made in USA? Hp und Compaq fusionieren

Die Elefanten-Hochzeit der beiden amerikanischen Computer-Riesen Hewlett-Packard und Compaq sorgte am Morgen für einen Paukenschlag an den deutschen und europäischen Börsen - die High-Tech-Werte schossen an die Spitze der Gewinnerlisten. Doch handelt es sich wirklich um eine Traumhochzeit bei den beiden Konzerne und welche Auswirkungen hat sie auf die gesamte High-Tech-Branche?

Traumhochzeit?

Hewlett-Packard und Compaq haben wie fast alle Technologie-Firmen in den vergangenen Monaten einen drastischen Kursverfall erlebt: Die Hewlett-Packard-Aktien stürzten seit dem Höchststand im Sommer vergangenen Jahres um 66 Prozent ab, Compaq verlor sogar 76 Prozent. Beide Firmen haben in den vergangenen Monaten Sanierungsprogramme angekündigt; der angekündigte Personalabbau bei Compaq beträgt 8.500 Stellen, bei Hewlett-Packard sollen 6.000 Arbeitsplätze wegfallen.

Die Computer-Hersteller reagierten auf die schwache Nachfrage zudem mit einem Preiskrieg, der die Gewinne weiter drückte und dennoch nicht verhindern konnte, dass die US-Computer-Hersteller in diesem Jahr zum ersten Mal seit 15 Jahren weniger PCs verkaufen werden als im Vorjahr.

Hewlett-Packard und Compaq wollen nun mit ihrer Fusion bis 2004 rund 2,5 Milliarden US-Dollar einsparen und mit den Branchen-Spitzenreitern IBM und Dell gleichziehen. Die Synergien sollen vor allem durch Produktrationalisierungen erzielt werden sowie in der Verwaltung, bei der Beschaffung, in der Fertigung und im Marketing. Einsparungen würden sich auch durch eine verbesserte Direktauslieferung von PC und Servern ergeben, so die beiden Unternehmen.

Analysten skeptisch

Analysten zeigten sich jedoch skeptisch, ob das neue Unternehmen wirklich eine führende Position in der Branche, wie HP-Chefin Carly Fiorina ankündigte, einnehmen kann. Die Fusion sei ein logischer Schritt, da eine Konsolidierung der PC-Branche in der Luft läge, so Andrew Neff, Analyst bei Bear Stearns. Es stelle sich allerdings die Frage, ob sich zwei Unternehmen, die unabhängig voneinander mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert worden seien, zu einem schlagkräftigen Wettbewerber entwickeln könnten.

Es sei auch fraglich, ob es in der Phase des Umbruchs der PC-Branche nicht zuviel Energie koste, sich auf die Zusammenführung der Unternehmen zu konzentrieren. Energie, die man auch in Innovationen zur Festigung der Marktposition stecken könne, hieß es weiter.

Initialzündung?

Für die Wirkung, die die Fusion auf die gesamte High-Tech-Branche habe, zeigten sich die Experten allerdings optimistischer. Der Zusammenschluss könne durchaus eine Art Initialzündung für eine Konsolidierungswelle bei den deutschen und europäischen Technologiefirmen liefern, so die einheilige Meinung von Analysten. „Ich würde das nicht heute oder morgen erwarten, aber ich kann mir gut vorstellen, dass dies das erste Zeichen für einen Beginn der Konsolidierung der Branche sein kann“, so Steffen Burat, Fondsmanager bei Helaba.

Es habe in der letzten Zeit kaum Übernahmen und Fusionen in der Branche gegeben, da man sich Sorgen über die Bewertung der Unternehmen gemacht habe, so David Clayton, Leiter der European Technology Research bei Credit Suisse Boston in London. Bei den schwachen Börsenkursen und angeschlagenen Märkten habe man befürchtet, zuviel für ein Unternehmen zu zahlen.

„Die Fusion von HP und Compaq kann als Zeichen dafür gewertet werden, dass der Boden erreicht ist und dass wir ein Level erreicht haben, auf dem man wieder anfangen kann Übernahmen zu planen“.

Übernahmekandidat Infineon?

Zwar gebe es in Europa keine Unternehmen, die man direkt mit HP und Compaq vergleichen könne, aber man könne durchaus Rückschlüsse auf andere Bereiche ziehen, so ein Händler. Weiter sinkende Zinsen würden die Wahrscheinlichkeit weiterer Übernahmen zudem erhöhen. Infineon könne als Zulieferer und bei dem derzeitigen Börsenkurs zum Beispiel ein idealer Übernahmekandidat für einen Computerhersteller sein, spekulierte ein Händler.

Ob die Fusions-Fantasien jedoch langfristig für steigende Kurse bei den High-Techs sorgen können, das bezweifelten die meisten Marktbeobachter. Solange wir weiter schlechte Unternehmensausblicke und - zahlen bekommen, sehe ich das nicht, so ein Händler. Die Fusion mag zwar auf eine Bodenbildung hinweisen, für eine dauerhafte Erholung der Branche braucht es jedoch mehr.

Quelle: ntv.de

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