Archiv

"Sex and the City" Huren und Heilige

Es war einmal eine Kolumne in New York. Es gab einige Fans, die diese regelmäßig lasen und sich über das Großstadtleben einiger New Yorker prächtig amüsierten. Nur war diese Kolumne in der amerikanischen Metropole und auch sonst ziemlich unbekannt. Es dauerte ein bisschen, und die Kolumne mit dem eindeutigen Namen "Sex and the City" wurde weltberühmt.

Stoff für die Trauerzeit

Seither ist einige Zeit ins Land gegangen, die letzte Staffel der daraus entstandenen Serie läuft jetzt an, und Zigtausende Frauen in Deutschland trauern schon dem Ende nach zwölf Folgen nach resp. vor. Doch bis dahin ist noch etwas Zeit und der Verlag Schwarzkopf&Schwarzkopf hat rechtzeitig das Buch zu allen sechs Staffeln herausgebracht.

Ein Buch kann wohl nie die Popularität einer super-beliebten Serie oder eines Films erreichen. Vielleicht ist das aber auch gut so. Denn wer will schon wirklich, dass "Kiss and tell" noch besser ist als die Serie voller Frauenpower? Eben. Das Buch ist für sich bildreich, sehr amüsant und immer wieder zum Angucken und Reinlesen geeignet. So wie jede Zuschauerin in den vier Serienfrauen einen Teil ihres eigenen Ichs entdecken kann, bietet das Buch für alle Leser und Fans der Serie etwas.

Parker-Festspiele

Es beginnt mit einem Vorwort von Sarah Jessica Parker, der Stilikone der Serie, die die Carrie verkörpert und nie ohne ihre Manolo Blahniks aus dem Haus geht. Die Leserin erhält Einblicke in die Wohnungen der vier Serienheldinnen und ihre Charakterzeichnung, denn Carrie & Co. haben deutlich definierte Eigenschaften von der sexbesessenen Geschäftsfrau bis hin zur braven Galeristin.

Das Buch fasst jede Folge der letzten Jahre kurz zusammen. Fans dürften in den philosophisch-angehauchten Sätzen von Carrie wie "Können Frauen Sex haben wie Männer?" auch die deutsche Synchronstimme der Hauptdarstellerin hören, so charakteristisch sind die Fragen für die Serie. Ein schöner Effekt, der dem Buch echtes "Serien-Erleben" gibt.

Namen aus dem Abspann

"Kiss and tell" bietet zudem Hintergrundberichte zu den Drehbüchern und den Filmtagen in New York. Die Macher der Serie wie TV-Produzent Darren Star ("Beverly Hills 90210") und das Autorenteam werden vorgestellt. Leute, die sonst nur im Abspann mit ihren Namen vertreten sind, bekommen hier ein Gesicht und berichten von den eigenen Erlebnissen in der Metropole, die oft in die Serie eingebaut wurden. Absolut witzig und unerlässlich ist das Glossar mit Begriffen wie "Up-the-Bott girl", die so delikat auch in der Serie vorkamen.

Männer-Übersicht

New York-Reisende und Fashion-Victims wird es zudem freuen, denn das Buch zeigt eine Übersicht der Orte, wo die Serien-Freundinnen die lebenswichtigen Fragen zu Dildos, depressiven Vaginas und Männern geführt haben und auf Shopping-Tour waren. Apropos Männer. Alle Männer der vier werden penibel mit Foto und Namen, sofern bekannt, aufgelistet. Es kommen ja auch einige zusammen, die sich prima nach Gütesiegel von Toll bis Niete sortieren lassen.

Heilige und Huren

Die Serie zeigt, dass Frauen Hure wie Heilige sein können, dass sie intelligent, sexy und witzig ihr Leben genießen, unabhängig und warmherzig sind. Das Buch nimmt diese Kategorien immer wieder auf, wenn die Hauptaktricen zu den teilweise pikanten Serieninhalten Stellung beziehen und aus ihrem eigenen Leben erzählen. Das Buch zeigt eine liebenswerte Traumwelt, in der Mittdreißiger Frauen einfach alles, und damit vor allem sie selbst, sein können. "Kiss and tell" macht auch Sehnsucht nach einem abendfüllenden Serien-Marathon mit den besten Freundinnen und ist für alle Serienfans einfach ein Muss.

Doren Pick

"Sex and the City. Kiss and tell", Verlag Schwarzkopf&Schwarzkopf, 2004, 19,90 Euro

Quelle: n-tv.de