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Trotz Air Berlin IPOs weiter angesagt

Trotz der Schwierigkeiten der Billigfluggesellschaft Air Berlin mit ihrem Börsengang drängen weitere Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen an den Kapitalmarkt.

Der in der Schweiz ansässige Internet-Zahlungsabwickler Webpay hat den Schritt nach den Worten seines Vorstandschefs und Gründers Norbert Stangl fest vor, jedoch frühestens im kommenden Jahr. "Wir peilen eine Marktkapitalisierung von 300 Mio. bis 400 Mio. Euro an", sagte Stangl der "Börsen-Zeitung". Darunter sei ein Börsengang nicht sinnvoll.

Das Unternehmen ermöglicht unter dem Slogan "Click & Buy" das Zahlen von Produkten und Diensten, die über das Internet gekauft werden, dem System sind nach Unternehmensangaben 6.000 Händler angeschlossen. Webpay konkurriert mit dem vor allem von Ebay genutzten System "Paypal". Das Geld aus dem Gang an die Börse solle vor allem in die Expansion nach Asien fließen, sagte Stangl der Zeitung. Startkapital hat Webpay von 3i erhalten. Stangl ist nach eigenen Angaben größter Anteilseigner, hat aber keine Mehrheit mehr.

Bereits in gut zwei Wochen peilt die Regensburger Biotech- Firma Geneart den Gang an die Börse an. Bis zu 860.000 Aktien könnten vom 17. bis 19. Mai gezeichnet werden, teilte Geneart mit. Die Erstnotiz im Entry Standard sei für 23. Mai geplant. Das bayerische Unternehmen stellt mit 60 Mitarbeitern künstlich optimierte Gene (Gensynthese) her und zählt nach eigenen Angaben 15 der 20 größten Pharmafirmen zu seinen Kunden. Mit dem Geld aus dem Börsengang soll die Kapazität im Kerngeschäft ausgebaut werden. Zudem will Geneart in angrenzende Felder einsteigen.

Begleitet werde der Börsengang von der WestLB. 650.000 Aktien entstammen einer Kapitalerhöhung, 110.000 kommen von Finanzinvestoren, die Platzierungsreserve von 100.000 Aktien steuern letztere sowie die Altaktionäre bei. Bis zu 38 Prozent der Aktien sollen nach dem Börsengang im Streubesitz sein. Im vergangenen Jahr setzte Geneart nach eigenen Angaben rund 4,5 Mio. Euro um und war vor Zinsen und Steuern profitabel.

Laut "Börsen-Zeitung" will auch der Videospiele-Verfilmer Uwe Boll mit seiner Boll AG an den schwach regulierten Entry Standard. Boll wolle mit dem Börsengang noch im Mai über eine Kapitalerhöhung acht Mio. Euro einsammeln, nachdem die Filmfinanzierung über Medienfonds steuerlich unattraktiver geworden ist.

Näheres über die Börsenpläne des Baumaschinen-Herstellers Wacker Construction Equipment werden am Montag erwartet, wenn das Münchener Unternehmen mit 2600 Mitarbeitern und mehr als 400 Mio. Euro Umsatz erstmals zu seiner Bilanzpressekonferenz einlädt.

Börsenpläne hegt offenbar auch eine weitere Wohnimmobiliengesellschaft: Die Düsseldorfer Corpus Immobilien erwäge nach der Umwandlung eine Aktiengesellschaft einen Börsengang, es gebe aber noch keine Beschlüsse, berichtete die "Börsen-Zeitung" und berief sich dabei auf Finanzkreise. Das Unternehmen habe seinen Wohnungsbestand mit der Übernahme der Berliner GHG 2005 auf 10.000 Wohnungen verdoppelt und halte zudem die Mehrheit an der Frankfurter Sireo, die überwiegend Immobilien des Minderheitseigners Deutsche Telekom verwalte. Die Essener Immeo Wohnen werde von Corpus verwaltet.

Die Augsburger Patrizia Immobilien war im März an die Börse gegangen, der Finanzinvestor Fortress will seine drei Wohnungsgesellschaften unter einem Dach 2007 notieren lassen. Die Frankfurter DIC Asset wechselt in der neuen Woche in den Prime Standard.

Air Berlin hatte am Freitag die Angebotsspanne und die Zahl der auszugebenden Aktien gesenkt, nachdem die Nachfrage zu dem ursprünglich geplanten Preis nicht ausreichte. Nach mehreren erfolgreichen Börsengängen hatte damit ein Unternehmen erstmals wieder Probleme, genügend Interesse zu wecken.

Quelle: ntv.de