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Die Kassen klingeln In Hollywood stimmt's wieder

In Hollywood hängt der Himmel nach den schrillen Tönen von 2005 wieder voller Geigen. Nordamerikas Kinokassen schwollen der "Los Angeles Times" zufolge seit Januar um 5,5 Prozent an.

Überwunden ist auch der Publikumsschwund der vergangenen drei Jahre. Bis zum November stieg die Besucherzahl in den Filmtheatern der USA und Kanadas im Vergleich zum Vorjahr um knapp fünf Prozent, freute sich die "New York Times". Die Schlusslichter von 2006, schwergewichtige Dramen wie "The Good German", "Blood Diamond" und "Apocalypto", dürften die Jahresbilanz noch weiter verbessern.

Was Insider zunächst als schwere Krise des Films durch die Konkurrenz von Videospielen, DVDs und dem Internet bewerteten, entpuppte sich als großenteils selbst verschuldet. Hollywoods Angebot war offenbar zu dünn und zu einseitig für den Publikumsgeschmack, schrieb die "Times". Inzwischen krempelten die Studios ihre Ärmel hoch und produzierten "mehr herausragende Filme denn je zuvor".

Bis Ende dieses Jahres werden 154 neue Hollywoodfilme weiträumig - das heißt in mehr als 1000 US-Kinos -angelaufen sein: Ein Zuwachs von 17 Prozent im Vergleich zum Flautejahr 2005. 16 Blockbuster haben in 2006 bereits die 100-Millionen-Dollar-Hürde in nordamerikanischen Kinos genommen, als letzter der neue James Bond, "Casino Royale".

Und noch eine Lektion hat der Einbruch der vergangenen Jahre, ganz besonders heftig in 2005, den Studios erteilt. Ihr Augenmerk auf die stärkste Zuschauergruppe, junge Männern mit Vorliebe für Action und Explosionen, vernachlässigte das "reifere" Publikum und trug zum Besucherschwund in den Kinos bei. Hollywood hat gelernt, freuten sich amerikanische Filmkritiker: Das Angebot von 2006 besteche nicht nur durch seine Fülle, sondern auch durch die Vielfalt für einen breiten Publikumsgeschmack. Ältere Jahrgänger hätten den neuen Wind aus Hollywood wahrgenommen und kämen inzwischen in die Kinos zurück.

Die traditionell dichte Folge vielversprechender Titel mit Oscar-Hoffnung kurz vor den Nominierungen hat bereits eingesetzt. Die Favoriten für die begehrten Filmpreise werden am 23. Januar bekannt gegeben. Bisher gilt Martin Scorseses Mafiathriller "The Departed - Unter Feinden" mit Leonardo DiCaprio, Jack Nicholson und Matt Damon als heißer Tipp. Das "Wall Street Journal" meint, dass die Juroren auch wenigstens einen der beiden Filme über die Terrorangriffe vom 11. September 2001 würdigen müssen: Oliver Stones "World Trade Center" oder "United 93", das Drama an Bord eines der von Terroristen gekaperten Flugzeuge.

Steven Soderberghs Liebesdrama "The Good German" aus dem Berlin der Nachkriegsjahre mit George Clooney und Cate Blanchett läuft "Oscar gerecht" in dieser Woche in den USA an. Ihm macht Edward Zwick mit seinem politischen "Blood Diamond" Konkurrenz. Der Film zeigt Leonardo DiCaprio als Söldner im Bürgerkrieg von Sierra Leone. Auf der Jagd nach einem seltenen Juwel kommt er, mit Hilfe einer Reporterin (Jennifer Connelly), dem verbotenen Handel mit Diamanten und Waffen auf die Spur. Mit großer Spannung wird Mitte Dezember Mel Gibsons neuer Film "Apocalypto" erwartet, der dem Untergang einer großen Maya-Kultur nachgeht.

Quelle: ntv.de