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Entführung der Sahara-Touristen Jagd auf die Geiselnehmer

Nach der Befreiung der Sahara-Touristen aus der Gewalt ihrer Geiselnehmer will die Bundesregierung offenbar Jagd auf die Entführer machen. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wolle dazu internationale Haftbefehle gegen die Geiselnehmer aus der Sahara erwirken. Mit Hilfe algerischer und US-amerikanischer Behörden solle nach den Entführern gefahndet werden.

Die Bundesanwaltschaft erklärte zu dem Bericht, sie werde über konkrete Schritte noch keine Auskunft geben. Die Befragung der freigelassenen Geiseln habe erst am Donnerstag begonnen. Dagegen berichtet der "Spiegel", deutsche Ermittler hätten bereits auf dem Rückflug der Befreiten aus der malischen Hauptstadt Bamako am Mittwoch mit der Vernehmung der Sahara-Touristen begonnen, um weitere der Islamisten zu identifizieren.

Ziel der Schadensbegrenzung

Mit der weltweiten Jagd auf die Geiselnehmer wolle die Bundesregierung den Schaden begrenzen, der aus Sicht von Sicherheitsexperten durch die Zahlung des Lösegeldes eingetreten ist, berichtet das Magazin. Denn dadurch sei der Eindruck entstanden, es lohne sich, Deutsche zu entführen.

Zu den Gesuchten werde der Chef der Gruppe gehören, der sich selbst Abderrassak al-Para nenne, schreibt der "Spiegel". Den deutschen Behörden liege ein Schreiben Paras vor, in dem sich der 35-Jährige offen zu der Geiselnahme bekenne und sich als Emir der Terrorgruppe "Salafisten-Organisation für Gebet und Kampf" (GSPC) bezeichne. Zudem liege der Bundesanwaltschaft ein Videofilm vor, auf dem etliche der Kidnapper zu sehen seien.

"Gebrauchen Sie den Rufnamen Faruk"

Die Geiselnehmer, die die deutschen Touristen im Februar und Anfang März gefangen nahmen, hatten nach Informationen des Magazins am 11. Juni einen Brief an den Bürgermeister der algerischen Stadt Illizi geschrieben und angeboten, über die Freilassung zu verhandeln. In dem Schreiben hätten sie eine Funkfrequenz genannt und dazu aufgefordert: "Gebrauchen Sie den Rufnamen Faruk." Der Brief sei erst Ende Juni angekommen.

Wenig später sei bei der deutschen und der schweizerischen Botschaft in Algier ein Schreiben der Geiseln mit konkreten Forderungen eingegangen: "Die Mudschahidin verlangen eine Summe von 45 Millionen Euro für unsere tatsächliche Freilassung. Wir bitten Sie, ihre Forderungen so bald wie möglich zu erfüllen, aber ohne den algerischen Staat oder das algerische Militär einzuschalten."

Auf fünf Mio. Euro herunter gehandelt

Weiter heißt es in dem Schreiben: "Da die Situation sich wegen der Hitze und dem Mangel an Medikamenten verschlechtert, drängt die Zeit. Die Mudschahidin wünschen direkte Verhandlungen mit Deutschland, das als Vertreter der anderen Länder handeln wird."

Durch Verhandlungen malischer Mittelsmänner sei diese Summe auf knapp fünf Mio. Euro gesenkt worden. Die von den Geiselnehmern erhobene Forderung nach freiem Geleit und Waffen ließ die Bundesregierung durch die Unterhändler ablehnen.

Bekennerschreiben eingegangen

Die Vermutung, dass die GSPC für die Geiselnahme der Sahara-Touristen verantwortlich zeichnete, hatte sich bereits am Freitag weiter erhärtet. In einem an Journalisten in Algier gefaxten Bekennerschreiben übernahm die radikalmoslemische Gruppe die Verantwortung für die Entführung. In dem Schreiben hieß es, die GSPC habe bewiesen, dass sie "zuschlagen kann, wann und wo immer sie will".

Quelle: n-tv.de

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