Archiv

Steuer auf Anleihen-Geschäfte Japan geht an die Schatztruhen

Bereits seit mehr als einer Dekade ächzt Japans Wirtschaft unter der anhaltenden Flaute. Genauso lange suchen die führenden Köpfe aus Nippons Wirtschaft und Politik nach einer Lösung aus diesem Dilemma und legen in ihrer Not ein Konjunkturpaket nach dem anderen auf.

Nun hat die Regierung unter ihrem Chef Junichiro Koizumi ein neues Mittel zur Ankurbelung der Wirtschaft ersonnen. Angesichts bereits wirkungsloser geldpolitischer Instrumente wie der Zinspolitik fiel der Blick der Machtinhaber nun auf die Anleihegeschäfte. Die Idee hört sich zunächst bestechend einfach an: grenzüberschreitende ausländische Anleihegeschäfte sollen mit einer Steuer belegt werden, um einheimische Papiere attraktiver zu machen und die Nachfrage anzukurbeln.

Die neuen Steuer soll besonders das Geschäft mit den US-Staatsanleihen eindämmen. Durch eine Besteuerung würde sich der Kauf der Staatsanleihen (Treasuries) über den Repo-Markt für die japanischen Banken deutlich verteuern. Im Gegenzug dazu, so die Hoffnungen der Staatsmänner, würden die japanischen Staatsanleihen für Anleger im In- und Ausland an Attraktivität gewinnen.

Staatsanleihen als Allheilmittel?

Es ist nicht das erste Mal, dass Japan versucht, mit Hilfe der Staatsanleihen die trübe Finanzlandschaft etwas aufzuhellen. Mitte August hatte die japanische Notenbank ihre monatlichen Käufe von langfristigen japanischen Staatsanleihen von 300 Mrd. Yen auf 600 Mrd. Yen erhöht. Zweck der Übung war, die angeschlagene Kreditwirtschaft mit mehr liquiden Mitteln zu versorgen.

Damals löste die Aktion nur Kopfschütteln aus, denn schon vor der geldpolitischen Maßnahme nutzten die Geschäftsbanken ihren Spielraum für Kredite nicht im vollem Maße aus. Bei den derzeitigen Zinssätzen in Japan können sich die Banken in Japan praktisch umsonst mit Krediten eindecken.

Die jüngste Idee der japanischen Regierung könnte jedoch sehr viel weitreichendere Folgen als eine milde Verwunderung haben. Denn Japan ist weltweit der größte Käufer von US-Staatsanleihen. So ruhen Treasuries im Werte von mehr als 300 Mrd. US-Dollar in japanischen Depots. Zum Vergleich: Deutschland, in der Rangliste immerhin auf Platz drei, bringt es hier auf etwa 85 Mrd. US-Dollar.

Eine Besteuerung der Staatsanleihen würde die Geschäfte am so genannten Repo-Markt erheblich einschränken. Dies könnte jedoch auch die US-Wirtschaft in die Bredouille bringen. Denn die USA zahlen einen großen Teil der japanischen Exporte mit Hilfe von Staatsanleihen, die wiederum in Japan gekauft werden. Eine Besteuerung dieses Zahlungsmittels könnte das fragile Gleichgewicht ins Wanken bringen.

Bereits seit langem wird befürchtet, dass sich die angeschlagenen japanischen Banken von ihren US-Papieren trennen, um mit dem Geld die Zinsen für die faulen Kredite zu begleichen. Dann würden auch die Kurse der Staatsanleihen einbrechen - ein Desaster für die Finanzmärkte.

Doch sind die japanischen Großbanken ihrerseits ebenfalls abhängig von den US-Staatsanleihen. Derzeit sind bei den Geldhäusern rund 100 Mio. US-Dollar in US-Treasuries investiert. Die Institute benötigen die Papiere als Sicherheit für den kostengünstigen Kauf von US-Dollar. Denn aufgrund der immer noch steigenden Anzahl fauler Kredite haben die Banken ein Problem mit ihrem Bonitätsimage im Ausland.

Der Vorstoß der japanischen Regierung trifft also auf Protest von allen Seiten. Dem geplanten Comeback der japanischen Staatsanleihen dürfte angesichts der damit verbundenen Probleme wenig Applaus beschert sein. Doch noch bleibt der Regierung ein wenig Zeit, ihr Steuerprogramm schmackhaft zu machen, denn die Entscheidung über die Einfügung der neuen Steuer soll erst am 14. Dezember getroffen werden.

Quelle: n-tv.de