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Stille Faszination Jules Vernes 100. Todestag

Zuerst kommt für viele die Bibel, dann Shakespeare und gleich danach Jules Verne. Die Werke des Autors, der seine Helden zum Mittelpunkt der Erde und 20.000 Meilen unter das Meer schickte, gehören auch heute noch weltweit zu den meistgelesenen und meistübersetzten Romanen.

Jules Verne, der am 24. März 1905 im Alter von 77 Jahren im nordfranzösischen Amiens gestorben ist, hat nichts von seiner Faszination verloren. Anlässlich seines 100. Todestages widmet Frankreich dem Bestsellerautor zahlreiche Veranstaltungen, darunter die im Pariser Marinemuseum bis zum 31. August dauernde Ausstellung "Jules Verne, der Roman des Meeres". Der Titel hätte nicht besser gewählt werden können, denn das Meer spielte nicht nur in seinen Romanen eine wichtige Rolle, sondern auch in seinem Leben.

Jules Verne wurde am 8. Februar 1828 in Nantes geboren. In dieser Hafenstadt an der Loire lebte der Autor bis zu seinem 20. Lebensjahr. Von dem Fenster der elterlichen Wohnung aus, die in der Straße "Cours 50-Otages" Nr. 2 lag, konnte er die riesigen Segelschiffe beobachten, die in den Hafen ein- und ausliefen. Er war dermaßen von der Schifffahrt begeistert, dass er sogar als Elfjähriger versuchte, heimlich eine Seereise als Schiffsjunge anzutreten. In letzter Minute wurde er jedoch erwischt und von Bord geholt.

"Ein Kapitän von 15 Jahren", "Nord gegen Süd", "Eine schwimmende Stadt" und die Kurzgeschichte "Der Blockadebrecher" sind nur einige wenige Titel, in denen seine Faszination für die Seefahrt und das Reisen zum Ausdruck kommen. "Ich sehe diese Loire wieder (...) Schiffe liegen in zwei und drei Reihen nebeneinander an den Ufern; andere fahren den Fluss hinauf, andere hinunter. (...) Sie rufen jede Menge Erinnerungen in mir hoch! In Gedanken kletterte ich ihre Wanten hoch, ich hisste mich auf ihre Marse, ich klammerte mich an ihren Masten fest!", schrieb Verne in seinen "Kindheits- und Jugenderinnerungen".

Seine flammende Begeisterung und rege Fantasie machten ihn zu einem der bedeutendsten Schriftsteller von Abenteuer- und Zukunftsromanen. Er hat in seinen herrlichen Geschichten wie "Fünf Wochen im Ballon", "Reise um die Erde in 80 Tagen " "(In 80 Tagen um die Welt") und "Von der Erde zum Mond" nichts erfunden, sondern sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse seiner Zeit gestützt. Denn wenn der eher stille und in sich gekehrte nicht mit seinem Bruder Paul auf einer ihrer Yachten nach Schottland oder New York segelte, saß er über wissenschaftlichen Büchern und Zeitungen.

Verne war ein äußerst disziplinierter Mann. Er arbeitete von fünf Uhr morgens bis zehn Uhr abends. Seine Frau Honorine, die er am 10. Januar 1857 heiratete und mit der er 1871 nach Amiens zog, beschwerte sich oft über die Abwesenheit ihres Mannes. "Wenn er nicht in der Bibliothek ist, dann sitzt er im Wartesaal des Bahnhofs", soll sie einst gesagt haben. Damit spielte sie auf die regelmäßigen Aufenthalte ihres Mannes in Paris an. Er fuhr einmal wöchentlich mit dem Zug in die französische Hauptstadt, um seinen Verleger Hetzel zu besuchen.

Die meisten der mehr als 62 Romane entstanden in Amiens und Crotoy, einem kleinen Ort in der Picardie an der nordfranzösischen Küste, wo er von 1865 bis 1870 lebte. In diesem kleinen Fischerhafen, in dem lange Zeit sein Segelschiff "Michel II. " lag, fand er auch die Inspiration zu seinem Meisterwerk" 20.000 Meilen unter dem Meer".

In Paris hielt sich Verne dauerhaft nur zu Beginn seiner Karriere auf. Im Jahr 1848 ging er auf Wunsch seines Vaters, der Rechtsanwalt war, in die Metropole, um dort Jura zu studieren. Doch bald schon lernte er Alexandre Dumas kennen, schrieb seine ersten Theaterstücke und konnte sich als Börsenmakler mehr recht als schlecht über Wasser halten.

Seinen ersten großen Erfolg erzielte er schließlich 1863 mit "Fünf Wochen im Ballon". Kurze Zeit später schon zog er nach Crotoy und anschließend nach Amiens, wo er in aller Ruhe schreiben konnte: "Wir sind in der Nähe von Paris, nah genug um ihren Glanz zu haben, jedoch ohne den unerträglichen Lärm und das sterile Treiben."

Quelle: n-tv.de, Sabine Glaubitz, dpa