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Schwitzen am Arbeitsplatz Kein Hitzefrei in Aussicht

Hitzefrei für Arbeitnehmer - für diese Forderung von CDU- und Grünen-Politikern sehen Arbeitgeber in Deutschland keine Chance. Dies ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

Martina Perreng, die Referatsleiterin für Individualarbeitsrecht beim Deutschen Gewerkschaftsbund betont, dass es keinen Rechtssanspruch auf Hitzefrei gebe. Allenfalls in den Betriebsvereinbarungen könne dies geregelt werden. Angesichts der allgemeinen Diskussion über Arbeitszeitverlängerung sieht Perreng dafür allerdings wenig Raum.

"Gefahr für Leben und Gesundheit"?

Der Arbeitgeber ist dem Bürgerlichen Gesetzbuch zufolge verpflichtet, die Arbeitsräume so einzurichten, dass der Arbeitnehmer "gegen Gefahr für Leben und Gesundheit" geschützt ist. Gleitzeitregelungen, Klimaanlagen, zusätzliche Pausen oder kostenlose Getränke können die Arbeitszeit erträglicher machen.

Arbeitsplätze, die unter starker Hitzeeinwirkung stehen, müssen den Vorschriften zufolge "im Rahmen der betrieblichen Möglichkeiten auf eine zuträgliche Temperatur gekühlt werden". Die von dem Sprecher des Bundesarbeitsgerichtes als angemessen angesehene Temperatur von 26 Grad kann jedoch nicht eingeklagt werden, da es sich nicht um eine Soll-Vorschrift handelt.

Kleiderordnungen gelockert

Zumindest gehen die Arbeitgeber Kompromisse ein: Beispielsweise lockert die Deutsche Bahn die Kleiderordnung für Eisenbahner, Opel bietet nach Ende der Werksferien zusätzliche Pausen von zehn Minuten pro Schicht an, und in der Hannoverschen Volksbank dürfen die Herren kurzärmelige Hemden tragen.

Die meisten Landesregierungen geben ihren Angestellten ebenfalls kein Hitzefrei, da sie die Erreichbarkeit für die Bürger gewährleisten wollen. Jedoch werden teilweise die Gleitarbeitszeiten um eine Stunde vorgezogen.

Schlupfloch in Berlin

Die Berliner Innenverwaltung verweist auf die Nutzung des Gleitarbeitszeitguthabens. Allerdings darf die Dienststelle selbst bei genügend vorhandenen Stunden nur verlassen werden, wenn die Außentemperatur mindestens 29 Grad beträgt - und das wird von der zuständigen Verwaltung geprüft.

Zudem müssen die räumlichen Gegebenheiten besondere Erschwernisse verursachen und dienstliche Gründe wie Sprechstunden dürfen dem Hitzfrei nicht entgegenstehen. Nach Aussage eines Berliner Regierungssprechers betrifft diese Regelung lediglich die Senatsverwaltung für Inneres, die anderen Häuser hätten sich dagegen entschieden.

Scheint also, dass sich der größte Teil der deutschen Arbeitnehmer weiterhin mit den hochsommerlichen Temperaturen arrangieren muss - und zwar im Büro, nicht im Freibad.

Quelle: ntv.de