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Gelüftete Geheimnisse Kirch Media präsentiert Finanzbericht

Nach einer langen Phase der Zurückgezogenheit wendet sich Leo Kirch nun verstärkt an die Öffentlichlichkeit: Hatte er vor kurzem das erste Interview seit Jahren gegeben, wird am Montagmorgen die Kirch Media erstmals einen Finanzbericht vorlegen. Eine Sprecherin des Unternehmes bestätigte gegenüber n-tv.de, dass die Gesellschaft in einer Pressemitteilung detailliert zur eigenen Finanzlage Auskunft geben wird.

Ganz ohne äußeren Druck kam diese neue Offenheit wahrscheinlich nicht zustande. Anfang 2002 soll die Kirch Media GmbH und Co. KGaA mit der ProSiebenSat.1 Media AG verschmolzen werden; Ziel ist die Börsennotierung der neu entstehenden Gesellschaft. In der Kirch Media sind die werbefinanzierten TV-Aktivitäten, der Rechtehandel, sowie die Film- und Fernsehproduktion des Mediengiganten Kirch zusammengefasst.

Gegenwind bläst dem 1926 in Würzburg geborenen Medienunternehmer nach wie vor bei seinem Pay-TV-Engagement ins Gesicht. So erklärte sein Konkurrent Rupert Murdoch, der 22 Prozent der Anteile an Kirchs Premiere World hält, erneut, seine Ausstiegsoption wahrzunehmen. Eine Vertragsklausel räumt Murdoch ein, sein Premiere-Paket in zwei Jahren an Kirch zurückgeben zu können, wenn dieser die avisierten Kundenzahlen nicht erreicht. Bislang sind statt der erwarteten 3,5 Millionen nur 2,3 Millionen Bürger bereit, die Premiere-Angebote für monatlich zwischen 15 und 55 Euro zu beziehen. Dass Murdoch seine Drohung wahr macht, glauben indes die wenigsten Experten. Nachdem sich mit dem Bertelsmann-Konzern der einzige Kirch-Konkurrent aus dem deutschen Bezahlfernsehen zurückgezogen hat, dürfte Murdoch, der weltweit über 40 Verlage kontrolliert, schon aus rein strategischem Interesse im Boot bleiben.

Murdoch ist jedoch nicht der einzige Anteilseigner, der sich aus den Kirch-Geschäften zurückziehen könnte. Der Springer Verlag hat sich für seinen 11,5 Prozent-Anteil bei der Kirch-Tochter ProSieben Sat1 ebenfalls ein Rückzugsrecht gesichert. Nicht unbedingt für Vertrauen in die verschachtelten Strukturen des Münchener Konzerns sorgte auch die Ankündigung des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen (BaKred), das Konglomerat unter die Lupe nehmen zu wollen.

Dass man sich im Hause Kirch durchaus Gedanken um die Finanzstruktur macht, zeigt ein Bericht, wonach sich die Gruppe intensiv um die Modifikation von Lizenzverträgen mit Hollywood-Studios bemüht; hier sieht Kirch offenbar Kostenpotenzial zugunsten seiner Premiere World. In der Auseinandersetzung mit Universal muss jetzt ein Gericht über die Gültigkeit der Verträge entscheiden.

Quelle: ntv.de