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Ethische Bedenken Kirchen gegen Irak-Krieg

Nach den katholischen Bischöfen hat auch der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sein Nein zu einem Krieg gegen den Irak bekräftigt.

Bei einer Sitzung in Tutzing bei München verabschiedeten die Ratsmitglieder am Freitag eine Erklärung zum Irak-Konflikt. "Aus ethischen und aus völkerrechtlichen Gründen lehnen wir einen Angriff auf den Irak beim gegenwärtigen Sachstand ab", sagte der Ratsvorsitzende Präses Manfred Kock. Ziel aller Politik - auch im Irak-Konflikt - müsse der gerechte Friede sein, "nicht aber die Suche nach einem gerechten Krieg", heißt es in der Erklärung.

Die Erklärung wurde nach ausführlichen Beratungen am Donnerstag und Freitag einstimmig verabschiedet. Der Rat verkenne nicht, dass die Politik des irakischen Präsidenten Saddam Hussein mit seinem Bestreben, sich in Besitz atomarer, chemischer und biologischer Waffen zu bringen, die Hauptwurzel des Konflikts sei. Aber: "Jeder Krieg ist ein so großes Übel, dass der Einsatz militärischer Gewalt von der Politik nur im äußersten Notfall erwogen werden darf." Jeder Krieg bringe Elend über viele Unschuldige.

"Es sind noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, den Irak-Konflikt auch friedlich zu lösen", sagte Kock. Allerdings würde ein Angriff zu diesem Zeitpunkt alle Bemühungen der Vereinten Nationen zerschlagen. "Im gemeinsamen Gebet und in den Gottesdiensten wollen wir uns gegen einen Krieg wenden", betonte er. "Wir knüpfen damit an die Solidarität mit den anderen großen christlichen Kirchen in Deutschland und in der Welt an."

Auch die katholischen Bischöfe Deutschlands hatten sich nach einem Treffen am Montag in Würzburg mit deutlichen Worten gegen einen drohenden Irak-Krieg ausgesprochen. Er sei sittlich unerlaubt und verstoße gegen das Völkerrecht, so die Begründung.

"Wir sagen in aller Deutlichkeit Nein zu einem Krieg und wollen zum Friedensgebet aufrufen", bekräftigte in Tutzing der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich die EKD-Position. Das Gremium hatte schon im vergangenen September eine kriegerische Auseinandersetzung verurteilt. Auch auf der Synode im November hatte die evangelische Kirche ihre ablehnende Haltung bereits deutlich gemacht.

Neben der Ausarbeitung der Erklärung beschäftigte sich der Rat in Tutzing auch mit der Situation in Israel und diskutierte über die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland.

Quelle: ntv.de