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Polizisten als Straftäter Kölner SEK aufgelöst

Gegen fünf Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) in Köln wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und anderer Straftaten ermittelt. Die gesamte Einheit ist am Donnerstag aufgelöst worden. Die fünf Beamten, von denen einer gestanden habe, dürften ihren Dienst nicht mehr ausüben und die Diensträume nicht mehr betreten. Ihnen seien alle Ausrüstungsgegenstände sowie die Ausweise abgenommen worden, teilten die Spitzen von Kölner Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

Den Beamten werden nach dreiwöchiger Ermittlung insgesamt sechs Straftatbestände aus den vergangenen Jahren vorgeworfen, darunter auch Körperverletzung im Amt, Diebstahl und Strafvereitelung. Von den fünf Polizisten sollen einige auch als Einzeltäter mit Drogen gehandelt haben. Die Hinweise stammen den Angaben zufolge von "Zeugen aus den eigenen Polizeireihen". Gegen zwei weitere Beamte werde ermittelt, weil sie bei einer SEK-Feier Haschischplätzchen konsumiert haben sollen.

Der Leiter der Staatsanwaltschaft, Jürgen Kapischke, sprach von einem besonders "erschreckenden und gravierenden Fall". Die Beschuldigten hätten die Taten nach derzeitigem Ermittlungsstand bewusst begangen und im Rahmen von Einsätzen vertuscht. Es sei möglich, dass Vorgesetzte das Fehlverhalten gedeckt und auf eine Anzeige verzichtet hätten. Auf welche Fälle sich die Vorwürfe im Detail beziehen, wollten die Ermittler nicht mitteilen. Erst am Morgen waren zahlreiche Wohnungen und Diensträume der Verdächtigen durchsucht worden.

Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht ein Einsatz von fünf SEK-Beamten im Juli 2001 in Hennef bei Bonn, der bisher als Selbstmordfall eines Mannes gegolten hatte. Tatsächlich bestehe hier aber der Verdacht der fahrlässigen Tötung, sagten die Ermittler. Außerdem habe es im Jahr 2000 einen Fall gegeben, in den die fünf Angehörigen des SEK-Kommandos möglicherweise verwickelt seien.

Das nun aufgelöste SEK-Kommando hatte bereits zuvor für negative Schlagzeilen gesorgt: Anfang des Jahres war bei einer Übung des Kommandos in Köln einer der Beamten nach Anagaben der Ermittler "aus Versehen" erschossen worden. Gegen die beiden anderen Übungsteilnehmer wird seitdem wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Quelle: ntv.de

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