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Künstler gegen Krieg Krieg ist keine Antwort!

Kaum hatte die beliebte Country-Band Dixie Chicks den Kriegskurs von US-Präsident George W. Bush attackiert, schon kritisierten zahlreiche Fans das texanische Trio. Sängerin Natalie Maines hatte in London verkündet, sie schämten sich, dass Bush aus Texas stamme. Erzürnte Country-Fans alarmierten die heimischen Radiosender.

Respektlose Bemerkungen

Einige Stationen verbannten daraufhin das Hitalbum "Home" aus ihrem Programm. Ein Sender rief Zuhörer auf, ihre Dixie Chicks-Platten in den Müll zu werfen. Maines gab am Ende klein bei. Am letzten Freitag entschuldigte sie sich bei US-Präsident Bush für ihre "respektlose" Bemerkung, hielt aber an ihrer Anti-Kriegshaltung zaghaft fest. Als Mutter würde sie zunächst jede mögliche Alternative zum Krieg begrüßen, bevor Kinder und amerikanische Soldaten ihr Leben verlieren, erklärte sie.

"Krieg ist nicht die Antwort!"

Seit Wochen rücken die Anti-Kriegs-Aktionen amerikanischer Pop-Stars immer stärker ins Rampenlicht. Ende Februar schlossen sich dutzende Musiker jeglicher Stilrichtungen als "Musicians United to Win Without War" einer großen Protestbewegung an. Ihre großformatige Anzeige in der "New York Times" trug die Unterschriften von Peter Gabriel, Dave Matthews, Lou Reed, Suzanne Vega, David Byrne, Missy Elliott und natürlich den Namenszug von Sheryl Crow. Bei der Verleihung der American Music Awards im Januar trug die Rock-Lady ein T-Shirt mit der Aufschrift "Krieg ist nicht die Antwort". Bei der Grammyshow im Februar schmückte sich Crow mit einem riesigen Friedens-Anhänger und einem breiten Gitarrengurt mit der Aufschrift "Kein Krieg" - Protest ohne große Worte.

Von Midlife-Krise getrieben?

Musiker David Byrne deutete im Fernsehen an, dass die Veranstalter der Grammyshow den Künstlern empfahlen, sich nicht politisch zu äußern. Ein Vorwurf, der von den Organisatoren empört zurückgewiesen wurde. So nahmen dann auch Musiker wie Bonnie Raitt oder Fred Durst kein Blatt vor den Mund. Während die Zahl der lautstarken Bush-Kritiker in der Musikszene wächst, gibt es jedoch erst wenig neue Protestsongs, die im Plattenladen erhältlich sind. Die HipHop-Band Beastie Boys holte nach vierjähriger Aufnahmepause zum Erstschlag aus. Vor ihrem neuen Album brachten sie schnell den Song "In A World Gone Mad" heraus, der kostenlos auf ihrer Webseite erhältlich ist. Darin werfen sie Bush vor, von einer "Midlife-Krise zum Krieg getrieben" zu werden und lediglich die "Kontrolle über den Irak" haben zu wollen.

Protestsongs kein Kassenschlager?

Auch John Mellencamp hat einen neuen Anti-Kriegs-Song, "From Washington", aufgenommen. "Ich glaube aber nicht, dass man den Song oft im Radio hören wird", räumte der Musiker ein. In den 60er Jahren, während des Vietnamkrieges, konnten sich Protestlieder noch leicht in den Charts platzieren. Bob Dylans Klassiker "Blowin' in the Wind" kam 1963 durch Peter, Paul und Mary und 1966 durch Stevie Wonder gleich zwei Mal in die Top Hundert. Damals fühlten sich viele Jugendliche, die von der Einberufung bedroht waren, von der Protestsong-Bewegung angesprochen, glauben Musikexperten.

Madonna zwischen den Fronten

Der HipHop-Mogul Russell Simmons will gerade eine jüngere Zielgruppe mobilisieren. Er glaubt auch an den kommerziellen Erfolg guter Protestsongs. Doch für die meisten Künstler ist die Protestmusik ein schwieriger Balance-Akt. Sogar Popstar Madonna ist zwischen die Fronten geraten. Kürzlich wies sie Medienberichte über die Washington-Feindlichkeit ihres neuesten Videos zum dem Song "American Life" zurück. Die Sängerin beteuerte, dass sie "für den Frieden" aber nicht "Anti-Bush" ist. Der Song drehe sich um ihre Ansichten über die amerikanische Kultur und Werte, erklärte die 44-Jährige. Sie wolle mit dem Stück zum Denken und zum Dialog anregen.

Von Barbara Munker, dpa

Quelle: n-tv.de