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Nach 13 Jahren Lee mit ersehnter Komödie

Nach sechs durchweg tragischen Filmen hat sich der Oscar-Preisträger Ang Lee ("Brokeback Mountain") einen innigen Wunsch erfüllt. "Ich habe mich danach gesehnt, endlich eine Komödie zu machen", sagte er auf einer Pressekonferenz beim Filmfestival in Cannes. In seinem Wettbewerbsbeitrag "Taking Woodstock" habe er vor allem die entspannte, friedliche und freizügige Stimmung rund um das legendäre Musikfestival vor 40 Jahren einfangen wollen. "Ich glaube nicht, dass so etwas wie Woodstock heute noch einmal geschehen könnte. Und genau das vermisse ich", meinte der in Taiwan geborene Regisseur (54).

Er selbst habe die Nachrichten über Woodstock im August 1969 in seinem Heimatland Taiwan verfolgt, sagte der seit den 1990er Jahren in den USA lebende Ang Lee. Die Filme und Musikaufnahmen jener "drei Tage voller Frieden und Freiheit" seien mittlerweile historisch. Ihm sei es darum gegangen, den Einfluss des Festivals auf jene Menschen zu zeigen, die "nicht direkt neben der Bühne" waren, sondern zu Hunderttausenden oder gar Millionen aus der Ferne von der Stimmung angesteckt worden sind.

"Taking Woodstock" lässt sich am besten als "Woodstock erobern" übersetzen. Die Hauptfigur ist ein junger Mann, der eigentlich nur das heruntergekommene Motel seiner Eltern retten möchte. Er ist es, der den andernorts abgewiesenen Veranstaltern des Festivals den Ausweg auf Farmland nahe dem "El Monaco"-Motel ermöglicht. Völlig unerwartet steht er zwar fernab der Bühne, aber im Zentrum der Bewegung, die dann auch ihn und seine Eltern erfasst.

"Taking Woodstock" ist ein unterhaltsamer Spiegel der friedlichen Hippie-Kultur und ihrer frühen Kommerzialisierung. Ang Lee verfranst sich allerdings phasenweise in zu vielen Geschichten, die er erzählen will: Das homosexuelle Outing der Hauptfigur, die tiefen Ängste seiner jüdischen Eltern, das Vietnam-Trauma eines Freundes aus der Nachbarschaft, die wirtschaftlichen Interessen der Woodstock- Veranstalter, Spießertum, Drogenkultur, friedliche Selbsterfahrung und Schlammrutschen. All das beschert seinem Film Farbe und Athmosphäre - aber auch einige Längen ohne konkreten dramaturgischen Höhepunkt.

Quelle: n-tv.de, dpa

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