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Japan Lichtblicke im Dunkeln?

Gemessen an den Entwicklungen der letzten neun Monate steht Japan ein umfassender wirtschaftspolitischer Wandlungsprozess bevor. Die Möglichkeiten, die japanische Wirtschaft zu unterstützen, scheinen sowohl von Seiten des Staates als auch von Unternehmensseite ausgereizt. Trotz der Fülle pessimistischer Einschätzungen sehen Analysten manche japanische Unternehmen günstig positioniert. Auf dem Weg in eine neue Zukunft liegen aber noch einige Risiken.

Die Ausgangssituation

Der Leitzinssatz der japanischen Zentralbank liegt derzeit bei 0,25 Prozent und bietet damit effektiv keinen Raum für weitere Senkungen, die Unternehmensinvestitionen durchschlagend ankurbeln könnten. Die Konjunkturprogramme der Regierung treiben lediglich die Staatsschulden in die Höhe. Letztere betragen heute 120 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, Bürgschaften für Banken und Bahn nicht eingerechnet. Die bereits als hoch eingestufte Verschuldung Deutschlands beträgt im Vergleich dazu 60 Prozent.

Japans Banken vergaben in der Vergangenheit großzügig günstige Kredite, die sich aus zinsgeringen Guthaben privater Sparer zusammensetzen. Aktien und Immobilien, die als Kreditsicherheiten dienten, haben ein Vielfaches ihres Wertes verloren.

Die dritte Kraft in dieser Runde, der Verbraucher, schließt sich der depressiven Stimmung an. Auch international wird nicht mit Kritik gespart. Auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos als auch beim erst kürzlich abgehaltenen Treffen der ASEM Mitgliedsländer malten Unternehmenschefs und Politiker ein eher düsteres Bild der wirtschaftlichen Zukunft Japans. Die Analysten schienen indes nicht mehr alle vom Untergang Nippons überzeugt sein.

Perspektiven

Von Seiten der Politik wird derzeit als wichtigste Handlung ein Stopp der Finanzierung maroder Banken gefordert. Banken sollten ihrerseits angeschlagene Unternehmen keine weiteren Kredite gewähren, sondern deren Rückzahlung vorantreiben. Zahlungsunfähige Firmen sollten gegebenenfalls geschlossen werden. Die Banken sollten dann die Schulden abschreiben. Kurzfristig wären dadurch zwar Kursverluste bei den Banken zu erwarten. Langfristig würden sich aber die positiven Effekte durchsetzen.

Außerdem werden Stimmen nach einer Ablösung des Mori-Kabinetts lauter. Ein Regierungswechsel sei aber nur sinnvoll, wenn er mit einer grundlegenden Reform des Steuersystems einhergehe. Mori möchte die Billigung eines neuen Haushaltsplans durch das Parlament erreichen. Dieser soll nach der Inkraftsetzung Anfang April einen positiven Wandel der japanischen Wirtschaft bewirken. Die Regierung senkte indes im Februar ihre eigenen Prognosen. Die wirtschaftliche Erholung schreite langsamer voran als erwartet.

Mittelfristig sehen tendenziell pessimistische Marktbobachter sinkende Exporte als Hauptrisiko. Der seit einem Hoch im August zu beobachtende Rückgang der Ausfuhren sei vor allem auf die Schwächen der US- und asiatischen Volkswirtschaften zurückzuführen, so die Analysten. Sowohl die japanische Regierung als auch externe Marktbeobachter sehen einen Vorteil in einer Abwertung der japanischen Währung. Die billigeren japanischen Produkte könnten den Export ankurbeln. Die Exporttätigkeit nach Japan würde allerdings negativ beeinflusst. Die davon betroffenen südostasiatischen Staaten könnten ihre Währungen ebenfalls abwerten – mit Auswirkungen auf die Exporte der westlichen Welt in diese Region.

Konsequenzen für die Märkte im Westen könnte auch der Abzug japanischer Investitionen im Ausland haben. Über zwei Billionen Mark sind in Krediten, Aktien und Direktinvestitionen angelegt. Sollten japanische Investoren ihr Geld aufgrund eines Währungsverfalls in Japan zurückrufen, könnte das negative Auswirkungen auf die hiesigen Volkswirtschaften haben.

Quelle: n-tv.de