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Last call "Lidl-Tickets" laufen aus

Fünf Tage noch, dann wird das erfolgreichste Sonderangebot in der Geschichte der Deutschen Bahn Vergangenheit sein. Bis zum 3. Oktober haben die Besitzer von "Lidl-Tickets" Gelegenheit, ihr Guthaben abzufahren.

Am letzten Tag des langen Wochenendes verlieren die Fahrscheine dann ihre Gültigkeit. Gut möglich, dass die Züge deshalb voller sind als üblich: Von den 550.000 Gutschein-Heften für eine beliebige Hin- und Rückfahrt durch Deutschland, die zum Preis von 49,90 Euro verkauft wurden, sind nach Schätzungen noch viele Tausend ungenutzt.

Keine Verlängerung, kein Umtausch

Trotzdem hat sich der bundeseigene Verkehrskonzern entschieden, die Aktion endgültig auslaufen zu lassen. "Wir bitten um Verständnis, dass wir die Geltungsdauer nicht verlängern können", sagt Bahnsprecher Achim Stauß. Auch eine Umtausch-Möglichkeit gegen neue Gutscheine wird es nicht geben. "Das wurde so preisgünstig kalkuliert, dass wir uns das nicht leisten können." In der Tat: Bei längeren Fahrten durch die Republik ließen sich mit den "Lidl-Tickets" mehr als 150 Euro sparen. Viel übrig blieb für die Bahn dabei nicht.

Für den Schienen-Multi war der erstmalige Verkauf von Fahrscheinen beim Discounter aber auch so eine gelungene Aktion. Auf die Einnahmen kam es dabei am wenigsten an. Insgesamt gelangten bei beiden Partnern rund 27 Mio. Euro in die Kassen - bei einem Jahresumsatz von fast 24 Mrd. für die Bahn eine Kleinigkeit. Wichtiger war der Imagegewinn: Die Bilder, wie am Morgen des 19. Mai überall bei Lidl lange Schlangen standen, waren beste Werbung für den Konzern. Was sich auch daran zeigte, dass die Konkurrenz der Billigflieger das Supermarkt-Angebot fleißig kopierte.

Bahn: 44 Prozent Auslastung

"Die Wahrnehmung der Bahnpreise hat sich durch die Aktion bei Lidl nachhaltig verbessert", freut sich Bahnchef Hartmut Mehdorn. "Viele Menschen, die wir sonst nicht erreichen, haben erfahren, dass Bahnfahren preiswert ist." Außerdem half der Ticket-Verkauf an der Supermarktkasse und die damit verbundene Werbung, die Auslastung der Fernverkehrszüge zu steigern: In den vergangenen Monaten waren Intercitys und ICEs deutlich besser besetzt als in früheren Jahren: Im August lag die durchschnittliche Auslastung bei 44 Prozent.

Aus Sicht der Kundschaft waren es aber nicht nur die Preise: Mit den "Lidl-Tickets" war das Bahnfahren einfach wie nie. Dabei reichte es aus, vor dem Einsteigen Datum und Strecke einzutragen und zu unterschreiben. Manch Schaffner ließ sogar zu, dass die Gutscheine während der Fahrt im Zug ausgefüllt wurden. Entsprechend begehrt waren die Schnäppchen-Tickets im Internet: Bis zu 120 Euro mussten zu Spitzenzeiten für ein Gutschein-Heft gezahlt werden. Wegen des baldigen Endes gingen die Preise in den vergangenen Tagen nach unten. Sie pendeln jetzt um die 50 Euro.

Einmal und nie wieder

Eigentlich Gründe genug, demnächst eine Neuauflage der Aktion zu starten. Doch Mehdorn schließt dies aus. "Das war eine einmalige Angelegenheit, die wir in dieser Form nicht wiederholen werden." Immerhin verspricht die Bahn, dass es bald neue Sonderangebote geben wird. Über Details schweigt sich der Konzern aus. Fest steht einstweilen nur, dass die Normalpreise zum nächsten Fahrplanwechsel am 11. Dezember steigen werden: in der zweiten Klasse um durchschnittlich 2,9 Prozent, in der ersten Klasse sogar um 4,1 Prozent.

Quelle: ntv.de