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Dienstag, 03. Juli 2007

Dean Reed, "Der rote Elvis": Lieblings-Amerikaner der DDR

Rockstar, Cowboy, Sozialist: Der US-amerikanische Musiker und Schauspieler Dean Reed (1938-1986) war für seine Fans so etwas wie der Elvis des Ostens. Von Berlin bis zur Mongolei himmelten nicht nur Frauen den Schönling und politischen Idealisten an. Die Geschichte seines bewegten Lebens zeigt der Dokumentarfilm "Der rote Elvis", der jetzt in Berlin Premiere feierte. Die Zuschauer schenkten dem Team von Regisseur Leopold Grün nach der Aufführung viel Applaus.

Der Dokumentarfilm porträtiert Reed als eine geheimnisvolle Ikone der globalen Popkultur zu Zeiten des kalten Krieges. Er protestierte weltweit gegen Militär-Regimes und den Vietnamkrieg, verdiente sein Geld mit Spaghettiwestern und Country-Schlagern. Sein Weg von Colorado über Hollywood zum Friedenskämpfer mit Wohnsitz in der DDR ist so ungewöhnlich wie einmalig. Dean Reed nahm sich 1986 das Leben und wurde tot aus einem See am Rande Ost-Berlins geborgen.

Reed sei ihm zuerst wie ein klassischer Held mit Zahnpasta-Lächeln erschienen, sagte Grün bei der Premiere. Zunächst habe er ihn nur als "Ost-Cowboy" gesehen. Allerdings sei er bei der Recherche auch auf viel Widersprüchliches gestoßen: So behandelt der Film Reeds mysteriösen Selbstmord im Jahr 1986. Drehorte waren neben Deutschland Chile und die USA, wo Menschen aus dem Umfeld des Künstlers befragt wurden.

Frauen, Ex-Frauen und Geliebte sprechen über private Erinnerungen. Andere Ausschnitte zeigen den politisch aktiven Reed, marschierend mit einer Kalaschnikow unter dem einen und einer Gitarre unter dem anderen Arm. Politiker des DDR-Regimes wie Erich Honecker klatschten dem selbst ernannten Friedenskämpfer ebenso Beifall wie chilenische Arbeiter. Untermalt werden die Filmsequenzen mit Reeds Liedern, in denen er auf Deutsch, Englisch und Spanisch zu einer vermeintlich besseren Welt und der sozialistischen Revolution aufruft.

Fünf Jahre lang hatte die Crew akribisch Film-Materialien in schwarz-weiß und Farbe aus privaten Archiven zusammengetragen. Der Film läuft am 2. August in den Kinos an.

Quelle: n-tv.de