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Mittwoch, 17. November 2004

Stickstoffmonoxid-Streit: Linde verliert Exklusiv-Patent

Das Europäische Patentamt hat das Exklusivpatent für den Einsatz von Stickstoffmonoxid zur Behandlung von Lungenfunktionsstörungen für unwirksam erklärt. Das Patent war 1997 der General Hospital Corp erteilt worden. Als weltweit exklusiver Lizenznehmer dieses Patents vertrieb Linde über die Tochtergesellschaft INO Therapeutics das Produkt INOmax als Teil des umfassenderen Angebots INOtherapy seit 1999 in den USA und seit 2002 in Europa.

Bei INOmax handelt es sich nach Auffassung Lindes um ein veredeltes Stickstoffmonoxid-Gemisch. Mediziner und Linde-Konkurrenten sind dagegen der Auffassung, INOmax sei nichts weiter als das seit Jahrzehnten verwendete Gemisch aus Stickstoff und Stickstoffmonoxid (NO). Dieses Gas, ein "Abfallprodukt" der Industrieproduktion, konnte vor der Patentierung durch Linde bei verschiedenen Anbietern günstig bezogen werden. Die Medizin verwendet es vor allem für die Behandlung von Atemwegsproblemen bei Kleinkindern.

Mit der Entscheidung wurde einem Einspruch der konkurrierenden Industriegaseunternehmen Air Products und Air Liquide stattgegeben. Die ausschließlich Europa betreffende Entscheidung ist endgültig und kann nicht angefochten werden.

Infolge der Entscheidung kann nun jeder Anbieter in Europa Kliniken mit Stickstoffmonoxid beliefern, sofern das Produkt den Anforderungen der europäischen Arzneimittel- und Gesundheitsbehörden hinsichtlich Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit entspreche und eine behördliche Zulassung vorliege.

Gegen die Erteilung des Europäischen Patents hatte Air Products bereits 1998 Einspruch eingelegt. Dieser wurde mit Entscheidung des Europäischen Patentamts vom 19. Februar 2001 abgewiesen. Dagegen hatten Air Products und in der Folge Air Liquide Beschwerde eingelegt.

Das Stickstoffmonoxid-Gasegemisch Inomax soll die Blutgefäße in der Lunge erweitern. Betriebswirtschaftlich der Verlust des Patents keine Auswirkungen haben. Das hatte Linde-Chef Wolfang Reitzle vergangene Woche gesagt.

Quelle: n-tv.de