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Samstag, 28. Februar 2004

Exil-Revue "Atlantic Affairs": Lindenberg in Schanghai

Zwei Jahre nach der Premiere in Deutschland hat Udo Lindenberg seine musikalische Revue "Atlantic Affairs" zum ersten Mal in China aufgeführt. Lindenberg führte in Schanghai das Publikum auf einem imaginären Schiff durch Texte und Lieder deutscher Künstler, die vor dem Nazi-Terror ins Ausland hatten fliehen müssen.

Chinas Hafenmetropole Schanghai hatte nach Hitlers "Machtergreifung" fast 20.000 überwiegend jüdischen Flüchtlingen Schutz und Zuflucht vor Tod und Verfolgung gewährt. Während das überwiegend deutsche Publikum Lindenberg begeistert feierte, sprang der Funke auf die chinesischen Zuschauer nicht recht über.

Zur Seite standen Lindenberg und seinem Panikorchester der Schauspieler Ben Becker in der Rolle des Erzählers und Chef-Stuarts sowie der Schanghaier Schauspieler und Showmaster Lin Dongfu. Rockig aufgepeppt präsentierte die Crew um den Panikrocker berühmte Songs wie Marlene Dietrichs "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" oder das zur Anti-Kriegshymne umgeschriebene Lied "Lili Marleen".

"Ich will mit 'Atlantic Affairs' eine Brücke zwischen Deutschland und China bauen", sagte Lindenberg kurz vor der Vorstellung. Er war in den vergangenen eineinhalb Jahren bereits zwei Mal in China gewesen. Für die Show nahm er diesmal seine gesamte Band mit nach Schanghai.

Mit von der Partie waren außerdem Sängerin Nathalie Dorra, Ellen ten Demme und die chinesische Rocklegende Cui Jian. Chinas bekanntester Rockmusiker sang drei eigene Lieder, darunter seinen legendären Song und bis heute größten "Hit Yi wu suoyou " (Habenichts), der 1989 zur Hymne der blutig niedergeschlagenen Studentenproteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking wurde.

Trotz Cui Jians Rockeinlage und obwohl die Texte der deutschen Exil-Künstler auf Chinesisch übersetzt wurden, fehlte letztlich ein überzeugender Bezug zu China. Chinesische Gedichte und Lieder aus den 30er Jahren waren entgegen vorheriger Ankündigung nicht Teil des Programms. Die Vorstellung im 1.300 Zuschauer fassenden Majestic-Theater war nicht annähernd ausverkauft. Nach einer weiteren Vorstellung in Schanghai an diesem Samstag sind in der kommenden Woche noch weitere Aufführungen in Peking geplant.

Quelle: n-tv.de