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Reemtsma-Lösegeld gewaschen Lutz Drach schweigt

Der Bruder des Reemtsma-Entführers Thomas Drach, Lutz Drach, hat bei seiner Vernehmung einen Tag nach der Auslieferung an Deutschland geschwiegen. "Herr Drach hat sich nicht eingelassen. Der Vollzug der Untersuchungshaft ist angeordnet", sagte der Aachener Oberstaatsanwalt Robert Deller am Dienstag auf Anfrage.



Die Staatsanwaltschaft werde nun "normal weiter ermitteln und in einem überschaubaren Zeitraum entscheiden, ob Anklage erhoben wird". Drach wird Geldwäsche von sechs Millionen Schweizer Franken aus der Entführung des Hamburger Millionärs Jan Philipp Reemtsma im Jahr 1996 vorgeworfen.



Er war auf Grund eines internationalen Haftbefehls am 25. November vergangenen Jahres auf dem Flughafen von Madrid verhaftet worden, als er gerade in ein Flugzeug nach Brasilien steigen wollte. Am Montag wurde Lutz Drach von zwei deutschen Kriminalbeamten in Spanien abgeholt und nach Aachen gebracht.



Der Hamburger Millionär Reemtsma war 1996 von Thomas Drach und drei Komplizen entführt und gegen 30 Millionen Mark Lösegeld freigelassen worden. Drach wurde nach einer abenteuerlichen Flucht Anfang 1998 in Argentinien gestellt und 2001 in Hamburg zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Bis auf einige 100.000 Euro ist das Lösegeld verschwunden.



Lutz Drach war an der Entführung selbst nach den Erkenntnissen der Ermittler nicht beteiligt. Doch spielte er offenbar eine wichtige Rolle beim Waschen des Lösegeldes. Schon 1996 war er vom Amtsgericht Köln erstmals wegen Geldwäsche verurteilt worden. Damals ging es nur um 27.000 US-Dollar aus dem Lösegeld, die ihm von seinem Bruder übergeben worden waren. Die Strafe: ein Jahr und sechs Monate.



Im vergangenen Jahr stießen die Fahnder erneut auf Lutz Drach. Ein 33-jähriger Aachener Physiotherapeut gestand der Polizei, insgesamt sechs Millionen Franken aus dem Lösegeld für Lutz Drach aufbewahrt, bei zwei Reisen nach Spanien geschmuggelt und ihm dort wieder übergeben zu haben. Daraufhin erging bereits im Dezember 2001 ein internationaler Haftbefehl gegen den Gesuchten. Doch mussten die Fahnder fast ein Jahr warten, bis der nach Zeitungsberichten in Südamerika lebende Drach wieder europäischen Boden betrat und festgenommen werden konnte.



Auf die Spur des Physiotherapeuten war die Polizei gekommen, nachdem er bei einer mysteriösen Schießerei schwer verletzt worden war. Wie sich im Rahmen der Ermittlungen herausstellte, hatte der 33-Jährige 700.000 Dollar aus dem ihm anvertrauten Lösegeld für eigene Zwecke verbraucht, fürchtete die Rache von Drach und den anderen Beteiligten und hatte deshalb einen Raubüberfall auf sich selbst vorgetäuscht.

Quelle: ntv.de