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Impulse von reichen Russen Luxus ist in

Die Luxusbranche macht wieder glänzende Geschäfte. Längst sind die Zeiten vorbei, in denen die Terroranschläge in den USA und die Lungenkrankheit SARS die Kauflust der betuchten Kundschaft dämpften und die erfolgsverwöhnte Branche in ihre erste Krise schlitterte. Der noble Uhren- und Schmuckspezialist Cartier spürte die Flaute in den Jahren 2001 bis 2003 unter anderem daran, dass der Reparatur- und Auffrisch-Service in den Uhrengeschäften auf einmal stark gefragt war. "Wo das Geld nicht mehr so locker sitzt, werden auch mal Uhren aus der Schublade geholt und hergerichtet", berichtete Tom Meggle, bei Cartier für Mittel- und Osteuropa verantwortlich. Seit einiger Zeit aber kaufen die Kunden wieder verstärkt neue Ware. Cartier zum Beispiel steigert die Umsätze derzeit mit hohen Wachstumsraten. Auch für 2007 ist die Zuversicht in der Branche groß.

Die Luxussegmente gelten gemeinhin als resistenter gegen die Schwankungen der Konjunktur. In vielen Branchen waren zuletzt die Anbieter sehr billiger und besonders hochwertiger Produkte erfolgreich, während sich die Mitte schwer tat. Dies zeigt sich zum Beispiel auch beim weltgrößten Uhrenhersteller Swatch: Das Unternehmen wächst einerseits weiter stark im Billigsegment. Daneben aber boomte im vergangenen Jahr vor allem auch die Luxussparte, zu der zum Beispiel auch Breguet und Glashütte gehören. Teilweise gab es im vergangenen Jahr Lieferengpässe, auch die teuersten Objekte verkaufen sich bestens. "Für Luxusgüter gibt es keine Limits", sagte Swatch-Chef Nick Hayek einmal befragt nach Preisobergrenzen.

Derzeit profitiert die Luxusbranche zusätzlich vom Aufschwung und dem verbesserten Konsumklima in Deutschland. "Die Deutschen zeigen wieder Mut zum Konsum und Spaß am Luxus", sagte Karl-Eugen Friedrich, Vorsitzender des Bundesverbands der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte, auf der Branchenmesse inhorgenta (bis 26. Februar) in München. Nach Jahren rückläufiger Geschäfte verzeichnete die Branche 2006 bei Uhren und Schmuck erstmals wieder ein Umsatzplus von sechs bis acht Prozent. Während sich der Modeschmuck-Sektor stabil bis positiv entwickelte, legte vor allem das Hochpreis- und Luxus-Segment deutlich gegenüber dem Vorjahr zu.

Grundsätzlich gilt der Markt in Deutschland - von konjunkturellen Schwankungen einmal abgesehen - aber als weitgehend gesättigt. Impulse kommen vor allem von Reisenden aus anderen Ländern. So kaufen viele reiche Russen bei Deutschland-Ausflügen teure Uhren und Schmuck. "Die Luxusbranche wäre ohne den Reichtum der russischen Zielgruppen nicht so stark gewachsen", sagte Meggle von Cartier. Zudem kämen zunehmend chinesische, koreanische und japanische Touristen nach Europa. Cartier jedenfalls sieht sich hier zu Lande seit drei Jahren im Aufwind - und hat dabei Marktanteile gewonnen.

Auch, wenn die Luxusbranche boomt: Beim Vertrieb geht der Trend weiter in Richtung Konzentration auf wenige Standorte in den Innenstädten. Cartier zum Beispiel verkauft seinen Schmuck in Deutschland nur an sieben Standorten, darunter Top-Adressen wie die Kö in Düsseldorf und die Maximilianstraße in München. Eine Boutique auf Sylt wurde neulich geschlossen. Die Saison sei sehr kurz, sagt Meggle. Zudem sei Sylt nicht mehr das "Saint Tropez der Deutschen". So will das Schmuck- und Uhrenhaus vor allem seine bestehenden Standorte renovieren und ausbauen.

Daneben setzt die Tochter des Schweizer Richemont-Konzerns weiter auf gesellschaftliches Engagement. In diesem Jahr vergibt Cartier erstmals den "Cartier Women's Initiative Award" an junge Frauen. Der Preis wird in Kooperation mit dem Women`s Forum for Economy and Society, der Unternehmensberatung McKinsey und der Wirtschaftshochschule Insead vergeben. Damit sollen Unternehmerinnen gefördert werden, die in jungen Firmen innovative Ideen und Projekte verfolgen. Zu gewinnen gibt es unter anderem 20.000 Dollar und ein Coaching von McKinsey und Insead. Bis April können sich die Bewerberinnen registrieren. Ziel sei es, Frauen in der Wirtschaft voranzubringen, sagte Meggle. Cartier habe das Mäzenatentum verinnerlicht, "da wir auch als Marke für gewisse Werte stehen".

Axel Höpner, dpa

Quelle: n-tv.de