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Ausstellung in Karlsruhe Macht und Reichtum Karthagos

"Das große Carthago führte drei Kriege. Es war noch mächtig nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten." Mit diesen ebenso knappen wie treffenden Worten umschrieb der Schriftsteller Bertolt Brecht 1951 die Geschichte Karthagos. Sehr viel ausführlicher widmet sich die Ausstellung "Hannibal ad portas - Macht und Reichtum Karthagos" dem Thema. Die Präsentation - nach Angaben des Badischen Landesmuseums die "weltweit erste umfassende Darstellung" des Aufstiegs der phönizischen Kultur bis zum Untergang Karthagos im Jahr 146 v.Chr. - ist von diesem Samstag an (25. September) bis zum 30. Januar im Karlsruher Schloss zu sehen.

Von dem karthagischen Feldherrn Hannibal und seinem Zug über die verschneiten Alpen mit 37 Kriegselefanten hat fast jeder gehört. Doch wer weiß schon von den vielen Errungenschaften dieser Kultur auf dem Gebiet des heutigen Tunesiens - etwa von der phönizischen Schrift, aus der unsere Buchstabenschrift abgeleitet wurde.

"Das Reich Karthagos hat lange im Schatten der griechischen und schließlich der - siegreichen - römischen Kultur gestanden", sagt Museumsdirektor Prof. Harald Siebenmorgen. Anhand von rund 500 Exponaten aus Tunesien, Spanien, Italien, England und Frankreich soll das Porträt einer vielschichtigen antiken Hochkultur entstehen. Viele der kostbaren archäologischen Funde sind erstmals in Deutschland zu sehen.

Der Besucher findet sich zu Beginn der großen Sonderausstellung des Landes Baden-Württemberg vor einer riesigen Karte wieder. Sie zeigt die Ausmaße des Reiches, das sich im 7. Jahrhundert vor Christus zur bedeutendsten See- und Handelsmacht im westlichen Mittelmeerraum entwickelt hatte. Elfenbeinschnitzereien, Krüge, Teller, Öllampen, Frauenporträts, Schmuck, Handspiegel, Schminkkästchen und steinerne Miniaturmöbel sollen die Wohn- und Lebenskultur greifbar machen.

Es folgt der Gang durch den "heiligen Bezirk" mit prächtigen Marmorsarkophagen, Votiv- und Grabstelen, Urnen, Götterbildern und einer im Originalmaßstab nachgebauten Grabkammer. Breiten Raum bekommt die umstrittene These von Kinderopfern, die die Karthager ihren Göttern dargebracht haben sollen. Nach Untersuchungen der in den Gräbern gefundenen Knochen waren die Kleinkinder schon tot, bevor sie dem Feuer geopfert wurden.

Virtuelle Rekonstruktionen, Modelle von Bauten und Schiffen sollen die Seemacht veranschaulichen. Zu sehen ist ein Modell der einzigartigen, runden Hafenanlage als Zentrum der Militärmacht, die lange Zeit das Mittelmeer beherrschte. So übernahm das 814 v.Chr. gegründete Karthago (phönizisch: neue Stadt) im 7. Jahrhundert den Schutz der Phönikerstädte Siziliens gegen die Griechen. Im 6. Jahrhundert hatte es Kolonien in Sardinien, Sizilien, Spanien, Gallien und an der Westküste Afrikas.

Mit der Expansion Roms prallten beide Staaten aufeinander. Sizilien wurde zum ersten Zankapfel und letztendlich zum Kriegsgrund. Der Konflikt mit dem römischen Reich wurde in drei großen Kriegen ausgetragen, die Punische Kriege genannt werden. In den beiden ersten Punischen Kriegen wurde die Kraft Karthagos gebrochen. Der dritte endete mit der Eroberung und Zerstörung der Stadt (146 v.Chr.). An den berühmten karthagischen Feldherrn und Staatsmann Hannibal (247/46-183 v.Chr.), der den Römern gefährlich nahe kam - "Hannibal ad portas" (Hannibal vor den Toren) - erinnern Büsten und ein kostbarer römischer Brustpanzer aus Bronze, der zu den schönsten und besterhaltenen Rüststücken der Antike gehören soll.

Zum Ende widmet sich die Ausstellung dem Mythos Karthago, der auch viele Künstler faszinierte, vom Komponisten Hector Berlioz bis hin zu dem Schriftsteller Gustave Flaubert ("Salambo", 1862).

Susanne Kupke, dpa

Quelle: ntv.de