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Neue Gewaltwelle in Aceh Menschenrechtler im Visier

Die schwerste Welle der Gewalt seit Beginn der indonesischen Militäroffensive in der Provinz Aceh hat am Mittwoch laut Augenzeugen mindestens zwölf Menschenleben gefordert, darunter zehn Zivilisten. Den Angaben zufolge soll die Eliteeinheit Kopassus für den Tod der zehn Dorfbewohner verantwortlich sein, unter denen auch zwei zwölfjährige Jungen seien. Bei heftigen Gefechten wurden außerdem nach Medienberichten zwei Rebellen der separatistischen Bewegung Freies Aceh (GAM) getötet.

Augenzeugen in dem östlichen Bezirk Bireun berichteten, die Zivilisten aus drei Dörfern seien mit Kopfschüssen getötet worden. Den Angaben zufolge waren die Menschen am Morgen vom Militär zusammengetrieben worden. Wenige Stunden später seien ihre Leichen gefunden worden. Soldaten erzählten Journalisten, dass die Kopassus-Einheit verantwortlich für die Tat sei. Vom indonesischen Militär gab es zunächst keine Bestätigung für die Berichte.

Menschenrechtler im Visier

Unterdessen gehen die Streitkräfte nun auch gegen Menschenrechtsorganisationen in der Provinz vor. Sie verhafteten eine prominente Frauenrechtlerin. Der Kommandant der Streitkräfte in der Provinz, Generalmajor Endang Suwarya, bestätigte die Festnahme der führenden Frauenrechtlerin Cut Nur Asikin.

Ihr werde vorgeworfen, mit den Separatisten der "Bewegung Freies Aceh" (GAM) zu sympathisieren, zitierte ihn die staatliche indonesische Nachrichtenagentur Antara. am Mittwoch. Suwarya drohte ähnliche Schritte auch gegen andere Menschenrechtsgruppen an. Zudem warnte er die Medien davor, Stellungnahmen der Rebellen zu "aufzublasen".

Die indonesischen Streitkräfte hatten am Montag in der Provinz an der Nordspitze Sumatras mit ihrer Militäraktion gegen die GAM begonnen. Zuvor waren Gespräche zwischen den Rebellen und der Regierung in Jakarta über die Rettung eines im Dezember geschlossenen Friedensabkommens gescheitert. Daraufhin wurde das Kriegsrecht über Aceh verhängt, das dem Militär weit reichende Vollmachten einräumt. Zudem wird erwogen, eine nächtliche Ausgangssperre zu verhängen.

Die "Bewegung Freies Aceh" kämpft seit 1976 für einen eigenen islamischen Staat in der an Öl- und Gasvorkommen reichen Provinz. Dem Konflikt fielen bisher mehr als 11.000 Menschen zum Opfer, die meisten von ihnen Zivilisten. In den vergangenen Jahren waren mehrfach Friedensverhandlungen gescheitert.

Quelle: ntv.de