Archiv
Montag, 16. Februar 2004

Laborsparte wird verkauft: Merck legt kräftig zu

Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck verkauft für umgerechnet gut 1,3 Mrd. Euro seine Laborversorgersparte VWR International an eine US-Kapitalanlagegesellschaft. Vorstandschef Bernhard Scheuble bezifferte den Reingewinn aus der Transaktion am Montag auf rund 240 Mio. US-Dollar (190 Mio. Euro).

Mit der Veräußerung an einen von Clayton, Dubilier & Rice (CD&R) verwalteten Fonds trennt sich Merck von rund einem Drittel seines Konzernumsatzes und konzentriert sich auf seine Kerngeschäfte in den Bereichen Pharma und Spezialchemie. "Wir werden zwar kleiner, dafür aber rentabler und dabei fast frei von Finanzschulden sein", kommentierte Scheuble den Verkauf.

Der Verkauf müsse von den zuständigen Behörden aber noch genehmigt werden. Merck konzentriert sich auf seine Kerngeschäfte mit verschreibungspflichtigen Arzneien, Nachahmerpräparaten und Chemikalien. Vor kurzem hatte Merck auch angekündigt, sich von seinem Anteil an dem Orthopädie-Joint-Venture BioMer zu trennen.

Durch den VWR-Verkauf werde das operative Ergebnis zunächst um etwa zehn Prozent zurückgehen, die Umsatzrendite aber zugleich gesteigert. Das Laborversorgergeschäft war zuletzt eher margenschwach und wies 2003 eine Umsatzrendite von 3,3 Prozent auf.

Im abgelaufenen Jahr verzeichnete Merck im operativen Geschäft einen deutlichen Gewinnzuwachs und übertraf hier klar die Schätzungen von Branchenexperten. Dank guter Geschäfte mit Flüssigkristallen und Nachahmermedikamenten steigerte Merck 2003 sein operatives Ergebnis um 19,4 Prozent auf 736 Mio. Euro. Analysten hatten im Schnitt mit 712 Mio. Euro gerechnet. Der Konzernumsatz ging indes um 2,7 Prozent auf 7,2 Mrd. Euro zurück, wozu auch die Einbußen durch den schwachen Dollar-Wechselkurs beitrugen.

Die Pharma-Umsätze wuchsen allerdings um 4,8 Prozent, bei Flüssigkristallen erhöhten sich die Erlöse sogar um 16 Prozent. Unter dem Strich erwirtschaftete Merck nach Fremdanteilen einen Konzerngewinn von 208,3 Mio. Euro, ein Plus von 2,6 Prozent zum Vorjahr.

Die Aktionäre sollen trotz des Gewinnanstiegs auf Grund einer Kapitalerhöhung im vergangenen Jahr eine auf 80 Cent je Aktie (für 2002: 1 Euro) reduzierte Dividende erhalten.

Analysten äußerten sich positiv zum Verkauf der Laborversorgersparte und zum Jahresabschluss 2003 von Merck. Der Verkaufspreis für VWR liege über seinen vorherigen Schätzungen. Mit seinen Geschäftszahlen 2003 habe der Konzern zudem besser abgeschnitten als erwartet.

Quelle: n-tv.de