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Schüsse auf Palästinenserin Militär wiegelt ab

Von n-tv Korrespondent Ullrich Sahm, Jerusalem

An dem Vorgehen des Offiziers, der angeblich aus Wut 20 Schüsse auf den leblosen Körper der 13 Jahre alten Iman el Hams nahe einer Grenzstellung bei Rafah abgegeben haben soll, sei "ethisch nichts zu beanstanden", heißt es in einer offiziellen Erklärung des israelischen Militärsprechers aufgrund der abgeschlossenen Untersuchung des Falles. Die Untersuchung ergab schwere Verstöße des Offiziers gegen stehende Militärbefehle, aber auf das Mädchen habe er nicht geschossen.

Dem Offizier wird vorgeworfen, die gepanzerte Stellung leichtfertig zusammen mit zwei Soldaten verlassen zu haben, um die "verdächtige Figur", also das palästinensische Schulmädchen, genauer zu untersuchen. Der Offizier habe sich und seine Soldaten unnötig in Gefahr gebracht und werde deshalb seines Postens enthoben. Dem Offizier wird auch vorgeworfen, ohne Grund "auf den Boden geschossen zu haben". In der veröffentlichten Erklärung steht nichts darüber, wie und warum das Mädchen mit zwanzig Kugeln durchlöchert worden war.

In dem Report heißt es weiter, das sei Mädchen "verdächtig" gewesen, weil es sich in einer "verbotenen Zone" aufhielt und der israelischen Stellung genähert habe. "Die Terroriste ", so die im Report wiedergegebene Meinung
des Generalstabschefs Mosche Jaalon, hätten in der Vergangenheit immer wieder mit Kindern Soldaten geködert, sich aus ihren Stellungen herauszubegeben oder um ein Infiltrieren der Stellungen zu testen.

Eine telefonische Anfrage von n-tv beim Militärsprecher ergab wieder ein völlig anderes Bild. Die in der Presse verbreitete Behauptung, wonach der Offizier entnervt sein ganzes Kugelmagazin in den Körper des Mädchens entleert habe, stammte von einem Soldaten, der in der Stellung geblieben war und diese Tat gar nicht hätte sehen können. Die beiden Soldaten, die mit dem Offizier zu dem Mädchen gegangen sind, hätten diese Aussage nicht bestätigt. Deshalb "glaubt" der Generalstabschef der Aussage des Offiziers, keinen Schuss auf die Leiche des Mädchens abgegeben zu haben. Gleichwohl sei der Fall inzwischen der Polizei übergeben worden, um weitere Ermittlungen anzustellen.

Weiter sagte der Militärsprecher, dass auf das Mädchen von mehreren Positionen aus gleichzeitig geschossen worden sei, als es mit einem Palästinenserschal um den Hals und mit einer verdächtigen Tasche nur noch 100 Meter von der Stellung entfernt entdeckt worden sei. "Es ist naheliegend und durchaus üblich, dass eine verdächtige Person, wenn sie solchem Trommelfeuer ausgesetzt ist, von 20 Kugeln getroffen werden kann",
so der Militärsprecher. Weiter sagte er, dass der Soldat, der jene mutmaßlich falsche Aussage über seinen Offizier an die Presse gegeben hatte, "sehr schlechte Beziehungen" mit ihm hatte. Der Offizier habe ihm vorher
schon mit einer Militärstrafe gedroht.

Quelle: ntv.de