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Angst vor Seuchen-Ausbreitung Mit Militär gegen SARS

Im Kampf gegen die Lungenkrankheit SARS setzt China jetzt auch Militärärzte und -krankenschwestern ein. Zudem untersagten die Behörden allen Wanderarbeitern in Peking, die Stadt zu verlassen. Angesichts der ungenügenden Kontrollen am Flughafen in Peking könne SARS aber weiterhin leicht nach Europa eingeschleppt werden, sagte der Frankfurter Virologe Wolfgang Preiser, der mit einem Team der Weltgesundheitsorganisation WHO in China war.

In Peking wird nach Aussagen Preisers nicht verhindert, dass SARS-Kranke an Bord von Flugzeugen kommen. "Nach meiner eigenen Erfahrung, und ich bin am Samstag aus Peking zurückgeflogen, funktioniert die Kontrolle der Flugreisenden noch nicht oder nur sehr unzureichend", sagte Preiser dem ZDF. "Bis das nicht wirklich in Ordnung kommt, werden wir mit Einschleppungen rechnen müssen." Es sei jedoch so gut wie ausgeschlossen, dass es in Europa zu einer Epidemie kommen könne, erläuterte der Mediziner in einem Interview mit der Märkischen Oderzeitung (Dienstagsausgabe).

Herbert Schmitz, Virologe vom Hamburger Tropeninstitut, forderte schärfere Maßnahmen an deutschen Flughäfen. "Wir sollten die Leute, die in Deutschland landen, auffordern, in den kommenden zehn Tagen gründlich Fieber zu messen ", sagte er der Zeitung "Die Welt".

Immer mehr Erkrankte in China

Bis Samstagabend hatte die WHO in 26 Ländern insgesamt 5050 SARS-Fälle und 321 Tote registriert. Die Zahl der neuen Erkrankungen in China stieg um 203 auf 3.106, die der Toten um acht auf 139. Der Chef der Militärkommission, Jiang Zemin, ordnete an, 1.200 Ärzte und Pflegekräfte der Volksbefreiungsarmee zu entsenden, um neue Kliniken in Peking für SARS-Kranke einzurichten. Nördlich von Peking bauen 7000 Arbeiter seit einer Woche in Tag-und Nachtarbeit ein spezielles Krankenhaus. Der mehr als 1000 Zweibettzimmer zählende Bau werde am Mittwoch in Betrieb genommen.

Außer den Studenten dürfen jetzt auch die schätzungsweise eine bis zwei Millionen Wanderarbeiter die Stadt nicht mehr verlassen, weil befürchtet wird, dass sie die Krankheit in ihre Dörfer tragen könnten.

SARS-Epidemie flaut ab in mehreren Ländern

Im Gegensatz zu China ist nach Angaben der WHO der Höhepunkt der SARS-Epidemie in mehreren Ländern indes bereits überstanden: In Singapur, Kanada und Hongkong sinke die Zahl der Neuerkrankungen, Vietnam wurde am Montag als erstes betroffenes Land wieder für SARS-frei erklärt.

Entwarnung gab es auch in Hamburg. So erhärtete sich der Verdacht auf SARS bei einem in ein Hamburger Krankenhaus eingelieferten Mädchen nach Angaben der Klinik nicht. Auch der Test auf das Coronavirus, das als Erreger der Krankheit verdächtigt werde, sei negativ verlaufen, teilte das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg am Montagabend mit. Bei der Patientin handele es sich um ein Mädchen, das nach einem Aufenthalt in China Fieber gehabt habe.

Konjunkturexperten wiegeln ab

Konjunkturexperten führender deutscher Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur AP derzeit keine dramatischen Auswirkungen auf die Weltkonjunktur. Voraussetzung ist nach Einschätzung der Fachleute allerdings, dass sich die Lungenkrankheit nicht weiter ausbreitet. Selbst in Asien dürften die ökonomischen Folgen der Seuche nach Einschätzung der Asiatischen Entwicklungsbank eher gering sein.

Quelle: ntv.de