Archiv

Hilft die HypoVereinsbank? Mögliche Rettung für Kirch

von Manuel Vaid

Die erdrückende Schuldenlast der Kirch-Gruppe ist nicht neu. Auch die Spekulationen, von welchen Beteiligungen sich der Medienkonzern trennen könnte, um die drohende Insolvenz abzuwenden, schießen seit Wochen ins Kraut. Aktuell wird vor allem über Kirchs 40-prozentige Beteiligung am Hamburger Axel Springer Verlag diskutiert.

Aufgekommen war die Debatte in der vorvergangenen Woche, als der Springer Verlag seinerseits eine Option ausgeübt hat, in deren Rahmen er die Rückgabe von 11,5 Prozent an der Pro7Sat.1Media des Leo Kirch gegen die Zahlung von rund 770 Mio. Euro geltend macht. Einige Wochen vor dem Stichtag der Fälligkeit dieser Option hatte sich Kirch-Vize Dieter Hahn an Springer gewendet, um die Konditionen dieser Option neu zu verhandeln. Die Gespräche wurden ergebnislos abgebrochen, Kirch muss zahlen. Dem hatte Kirch mit einer Feststellungsklage zu entgehen versucht, die die Rechtsgrundlage der Option widerlegen sollte. Wie n-tv.de aus Verhandlungskreisen erfuhr, ist eine solche Klage bisher jedoch nicht eingegangen, weshalb man sich die Frage stelle, ob die Ankündigung nicht nur ein weiterer taktischer Schachzug Kirchs gewesen ist.

Die Einschätzung des Kirch-Rechtsberaters, Prof. Holger Altmeppen, dass sich ein Rechtsstreit über Jahre hinziehen kann, wird in Hamburg offenbar geteilt; von der Pflicht zur Zahlung der 770 Mio. Euro wäre Kirch dennoch nicht befreit. Wie Juristen bestätigen, müsste die Summe bis zum Ausgang eines Rechtsstreits treuhänderisch verwaltet werden. Zu dieser Darstellung würden die Berichte passen, dass Kirch sich derzeit vehement bemüht, das Springer-Paket zu veräußern. Zwei Möglichkeiten scheiden dabei aus: Ein Tausch der 11,5 Prozent der Pro7Sat.1Media gegen Kirchs 40 Prozent an Springer. Rein rechnerisch würde eine solche Lösung aufgehen - die Unternehmensstruktur des Verlages verbietet der Springer-Aktiengesellschaft jedoch, mehr als zehn Prozent der verbleibenden 40 hinzuzukaufen.

Aus den mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen erfuhr n-tv.de zudem, dass ein Verkauf an einen strategischen Investor für Springer nicht in Frage kommt. Die außenstehenden Aktien des Verlages liegen bei der Deutschen Bank, die Kirch den Springer-Einstieg (rund sechs- bis siebenhundert Mio. Euro) finanziert hatte. Ein direktes Vorkaufsrecht für die Papiere besitzt der Verlag nicht. Da es sich aber um vinkulierte Aktien handelt (Namensaktien, die nur mit Zustimmung der betreffenden AG verkauft werden können), ist Springer in einer komfortablen Situation. Und ein Verlags- oder anderes Medienhaus will Springer unter keinen Umständen im Boot haben. Insofern scheidet auch die Essener WAZ-Gruppe aus, die Interesse an dem Aktienpaket bekundet hatte. WAZ-Geschäftsführer Erich Schumann hatte ausdrücklich erklärt, nicht in die publizistischen Geschicke bei Springer eingreifen zu wollen, sondern lediglich an der Optimierung der Verlagsabläufe interessiert zu sein. Eine Aussage, die in Hamburg auf große Skepsis stößt.

Einen Einstieg des britisch-australischen Medienmoguls Rupert Murdoch, der 22 Prozent von Kirchs Premiere World kontrolliert, sähe man bei Springer ebenso ungern. Favorisiert wird hier eindeutig die Aufspaltung des 40 Prozent-Pakets. Hierfür müsste jedoch ein reiner Finanzinvestor gefunden werden, wenn die Deutsche Bank die Beteiligung nicht allein halten will - hieran hat das Institut nach eigenen Angaben langfristig kein Interesse.

Die Schlüsselrolle der Deutschen Bank kennt auch die Regierung, die sich in der Frage des Fernhaltens von Rupert Murdoch aus dem deutschen Markt mit Springer und den meisten anderen Medienunternehmen hierzulande einig ist. Offiziell widerspricht man in Berlin der Darstellung, Bundeskanzler Schröder sei aus Angst vor der Meinungsmacht Murdochs bestrebt, Kirch unter die Arme zu greifen. Gänzlich ohne Initiative des Kanzlers dürften die Bemühungen um eine "nationale Lösung" des Problems jedoch nicht ins Rollen gekommen sein.

Eine der Gläubigerbanken - nach Informationen von n-tv.de eines der beiden größten deutschen Institute - bemüht sich nun intensiv um eine Alternative, die an einer Zerschlagung des Kirch-Imperiums vorbei kommen soll. Wie diese Alternative auch aussieht - ihr müssten nicht nur die anderen Gläubigerbanken, sondern auch Leo Kirch zustimmen.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters erfahren haben will, könnte die HypoVereinsbank der hochverschuldeten Kirch-Gruppe möglicherweise aus der Krise helfen und im Gegenzug deren 40-Prozent-Anteil am Springer-Verlag für gut eine Mrd. Euro übernehmen. HypoVereinsbank- Chef Schmidt soll Kirch dies zugesagt haben, falls es nicht noch ein höheres Angebot von einem weiteren Interessenten gebe. Die HypoVereinsbank soll nach Angaben aus Finanzkreisen rund eine Mrd. Euro für das Springer-Paket geboten haben.

Quelle: ntv.de