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Catch me if you can Monti jagt Hollywood-Studios

Nach den weitgehend enttäuschenden Erfahrungen mit dem PayTV in Deutschland stehen die großen Hollywood-Filmstudios jetzt auch auf europäischer Ebene vor einer Kraftprobe. Die Europäische Kommission prüft nach Informationen der "Financial Times " Verträge zwischen einigen Studios und europäischen Bezahlfernsehsendern.

Die Untersuchungen gehen auf eine Anzeige der französischen Pay TV-Gesellschaft TPS zurück, die ihren heimischen Konkurrenten Canalsatellite (PayTV-Tochter von Canal Plus) wegen wettbewerbsverzerrender Verträge mit Hollywood-Studios verdächtigt. Untersucht werden von der EU Vertriebswege von offenbar sieben Studios, darunter Warner Brothers, Columbia TriStar und Walt Disney. Auf der Seite der Fernsehanbieter werden unter anderem BSkyB (British Sky Broadcasting) und Canal Plus (zu Vivendi Universal) unter die Lupe genommen.

EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti hatte die Langfristigkeit entsprechender Verträge bereits vor zwei Jahren für bedenklich erklärt. So ist die Dauer der Verträge von bis zu fünf Jahren auch ein wesentlicher Punkt der jetzigen Untersuchungen. Ein weiteres Ärgernis sind aus Sicht der Kartellwächter vermutete illegale Preisabsprachen zwischen den Studios. Desweiteren prüft die Behörde, ob der Gebietsschutz für die Ausstrahlungsrechte noch mit dem Wettbewerbsrecht vereinbar ist und ob die so genannten Blockbuster nicht grundsätzlich überteuert sind.

Zumindest im Bezug auf die Preise ist die Notwendigkeit einer EU-Intervention fraglich; dadurch, dass Fernsehstationen wie BSkyB für die Studios immer wichtiger werden, steigt auch ihre Macht, den Vertragspartnern immer günstigere Konditionen abzutrotzen. Die Bedenken hinsichtlich der langen Vertragslaufzeiten, die nach Ansicht der Kommission den Zugang für neue Teilnehmer im PayTV-Markt erschweren, sind dagegen sehr viel plausibler- sorgen sie doch dafür, dass die Verbraucher vergleichsweise hohe Preise zahlen müssen.

Im vergangenen Jahrzehnt haben die Studios, für die die Vermarktung der TV-Rechte der am stärksten wachsende Umsatzposten sind, in Europa jährlich rund eineinhalb Mrd. Euro umgesetzt. Auch für den größten Fernsehmarkt Europas und den zweitgrößten der Welt, Deutschland, werden die Untersuchungen langfristig nicht ohne Einfluss bleiben. Der Wettbewerb in der Vermarktung so genannter Premium-Inhalte ist Monti ein besonderes Anliegen. Im vergangenen Jahr zwang er den Europäischen Fußballverband UEFA, mehreren TV-Stationen als bislang die Ausstrahlung der Champions League - Spiele zu gestatten.

Quelle: ntv.de