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Montag, 14. Oktober 2002

Kurdischer "Bunkermord": Mord oder Totschlag?

Der grausame Tod eines kurdischen Liebespaares im August 1999 in Bremen beschäftigt erneut das Landgericht der Hansestadt. Das Bundesverfassungsgericht hatte das Bremer Urteil vom April 2001 auf Revision der Staatsanwaltschaft in Teilen aufgehoben und zurückverwiesen.

In der neuen Hauptverhandlung muss das Gericht nun entscheiden, ob den drei zu Haftstrafen zwischen 13 und 15 Jahren verurteilten Kurden Mord oder Totschlag anzulasten ist.

Der Tod des Liebespaares geschah im Auftrag der PKK. Daran ließ der Vorsitzende Richter Eduard Scotland am Montag zum Auftakt keinen Zweifel. Stundenlang verlas er Passagen der damaligen Urteilsbegründung. Dabei hatte sich das Richtergremium ausführlich mit den Strukturen der PKK und den Lebensformen ostanatolischer bäuerlicher Gemeinschaften auseinander gesetzt.

Am 24. August 1999 waren die Leichen der 18 Jahre alten Frau und ihres 23 Jahre alten Mannes am Bremer U-Boot Bunker "Valentin" gefunden worden. Die Frau war im Weserschlick erstickt worden. Der 23-Jährige erhielt elf Schläge mit einem Radmutter-Schlüssel auf den Kopf und wurde mindestens zwei Mal überfahren.

Die junge Frau hatte gegen den Willen ihres Vaters die elterliche Wohnung verlassen und war mit ihrem Freund zusammen gezogen. Alle Versuche seitens der Familie und des kurdischen Vereins, das Paar zu trennen, scheiterten.

Die Richter hatten in ihrem erstinstanzlichen Urteil Mordmerkmale verneint. "Die Opfer waren nicht arglos." Seit ihrem Zusammenziehen hätten sie Angst vor einer Tötung gehabt. "Sie rechneten mit allem." Auch Grausamkeit und niedere Beweggründe hatte das Gericht nicht gesehen. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen auf Mord plädiert. Für die neue Hauptverhandlung sind bis Ende Januar 21 Verhandlungstage angesetzt.

Quelle: n-tv.de