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Entführung der Sahara-Touristen Moslemgruppe bekennt sich

Die bisherige Vermutung, dass die radikale "Salafisten-Organisation für Gebet und Kampf" (GSPC) für die Geiselnahme der 32 europäischen Sahara-Touristen verantwortlich zeichnete, hat sich offenbar bestätigt. In einem an Journalisten in Algier gefaxten Bekennerschreiben übernimmt der stellvertretende Kommandeur der radikalmoslemischen Gruppe, Amari Saifi, die Verantwortung für die Entführung.

In dem Schreiben heißt es, die GSPC habe bewiesen, dass sie "zuschlagen kann, wann und wo immer sie will". Die Touristen seien während der meisten Zeit von 35 Entführern nahe der südalgerischen Wüstenstadt Illizi festgehalten worden. In dem in arabisch abgefassten Schreiben wird nicht auf Lösegeld Bezug genommen.

Ob das Schreiben echt ist, ist unklar. Die algerische Regierung war jedoch schon in der Vergangenheit davon ausgegangen, dass die GSPC hinter der im Februar in Algerien begonnenen Geiselnahme steckt.

Keine Misshandlungen

Die Geiseln wurden eigenem Bekunden nach während ihrer Gefangenschaft nicht misshandelt. Die Entführer hätten großen Wert darauf gelegt, nicht mit der gewalttätigen Islamischen Heilsfront (FIS) in Verbindung gebracht zu werden, berichtete die ehemalige Schweizer Geisel Reto Walther im Schweizer Rundfunk.

Auch der 43-jährige Marc Hediger meinte am Abend im Schweizer Fernsehen, sie hätten während ihrer sechsmonatigen Gefangenschaft nicht durchgehend um ihr Leben gebangt. "Wir wurden weder physisch noch psychisch misshandelt", sagte Walther. "Bald war klar, dass wir keine Gewalt zu befürchten hatten." In den ersten drei Monaten hätten sie Radio hören können. Man habe so gewusst, dass die Regierungen in der Heimat aktiv geworden seien.

In der Hand der Geiselnehmer hatten sich noch neun Deutsche, vier Schweizer und ein Niederländer befunden. Sie waren am Mittwochmorgen nach intensiven Vermittlungen wohlbehalten nach Hause zurückgekehrt.

Kostenbeteiligung an Lösegeld

Unterdessen erklärten sich die Niederlande bereit, mit Deutschland über eine mögliche Beteiligung an den Kosten zur Rettung der Sahara-Geiseln zu sprechen. Das teilte das Außenministerium nach Radioberichten vom Donnerstag mit.

Der Niederländer unter den Entführten, der 35 Jahre alte Arjen Hilbers, muss allerdings nicht damit rechnen, aus Den Haag eine Rechnung präsentiert zu bekommen. "Konsularische Kosten im Fall einer Entführung werden im allgemeinen nicht berechnet ", sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Hilbers hatte zuvor ebenso wie andere Ex-Geiseln Vorwürfe zurückgewiesen, die Abenteuer-Urlauber seien leichtsinnig gewesen. Seine Reise mit dem Motorrad durch die algerische Wüste sei lange vorbereitet worden. "Wintersport ist auch gefährlich", sagte er.

Libyen dementierte unterdessen Berichte, es habe Lösegeld für die Freilassung der Geiseln gezahlt. Wer auf Lösegeldforderungen eingehe, ermutige langfristig das organisierte Verbrechen, sagte der libysche Botschafter in Mali, Sarem Salaheddine. Auch die malischen Behörden haben wiederholt Meldungen zurückgewiesen, wonach ein Lösegeld von rund fünf Mio. Euro geflossen ist.

Quelle: n-tv.de

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