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Megastädte = Megarisiken Münchener Rück warnt

Die Münchener Rückversicherung hat vor der zunehmenden Katastrophengefahr für Millionenstädte gewarnt und mehr Vorbeugung gefordert.

Mit Blick auf die Flutkatastrophe in Südostasien sagte Vorstandsmitglied Stefan Heyd am Dienstag: "Nicht immer werden solche Katastrophen große Städte aussparen." Vor allem Tokio und Los Angeles seien sowohl durch Erdbeben, Wirbelstürme und Überschwemmungen stark gefährdet.

Der Tsunami in Südostasien habe die weltgrößte Rückversicherung mit "unter 100 Mio. Euro belastet", sagte Heyd. Ein schweres Erdbeben in Tokio oder San Francisco dagegen würde die Münchener Rück jeweils 2,5 bis drei Mrd. Euro kosten. Der globale Trend zu immer mehr und immer größeren Millionenstädten sei gefährlich: "Megastädte bedeuten Megarisiken", sagte Heyd.

Solche Ballungsräume seien nicht nur durch Naturkatastrophen, sondern auch durch Industrieunfälle, Flugzeugabstürze, Epidemien und Terrorismus weit höher gefährdet. Bei der Städteplanung und Standortentscheidungen müsse das künftig stärker berücksichtigt werden.

Das Erdbeben in der japanischen Millionenstadt Kobe 1995 sei mit einem Schaden von über 100 Mrd. US-Dollar bis heute die teuerste Naturkatastrophe gewesen. Im Naturkatastrophen-Risikoindex der Münchener liege Tokio mit 760 Punkten mit weitem Abstand an der Spitze, gefolgt von San Francisco mit 167, Los Angeles mit 100 und dem Ballungsraum Osaka-Kobe-Kioto mit 92 Punkten. In Europa ist London am stärksten gefährdet mit 30 Punkten, in Deutschland das Ruhrgebiet mit 14 und das Rhein-Main-Gebiet mit 9,5 Punkten. Hier bestehe ein mittleres Risiko durch Stürme, Hagel, Erdbeben und Überschwemmungen.

In Millionenstädten gebe es generell ein höheres Gewitterrisiko, mehr Luftverschmutzung und höhere Ozonwerte, erklärte der Leiter der Georisikoforschung der Münchener Rück, Professor Peter Höppe. "In der ungewöhnlichen Hitzeperiode des europäischen Sommers 2003 starben in den Großstädten viel mehr Menschen, als es ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entsprochen hätte, obwohl dort die medizinische Versorgung oft besser ist."

In Bangkok seien jährlich 1.400 Todesfälle auf die extreme Luftverschmutzung zurückzuführen. Die Häufung von Katastrophenrisiken in Megastädten zeigten auch die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York 2001 oder der bisher größte technische Unfall der Menschheitsgeschichte 1984 in der indischen Millionenstadt Bhopal, wo beim Austritt eines hochgiftigen Gases 20.000 Menschen starben. Das Erdbeben von San Francisco 1906 sei für die Münchener Rück bis heute die teuerste Katastrophe gewesen.

Solche Katastrophen träfen immer alle Versicherungszweige von der Industrie- bis zur Unfall-, Kranken- und Lebensversicherung, erklärte Heyd. Im laufenden Jahr erwartet die Münchener Rück stabile Preise in der Schaden- und Unfallversicherung.

Quelle: n-tv.de