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Einmal Privatisierung und zurück Network Rail kauft Railtrack

Der britische Schienennetzbetreiber Railtrack ist an ein neues, staatlich gestütztes Bahnunternehmen verkauft worden. Die nicht an der Börse gelistete Network Rail teilte mit, sie habe das Unternehmen für rund elf Milliarden Euro von der Muttergesellschaft Railtrack Group übernommen.

Die Übernahme setzt den Schlußpunkt unter ein vor sechs Jahren begonnenes Privatisierungsexperiment. 1996 zerschlug die damalige konservative Regierung den staatlichen Konzern British Rail. Railtrack war eine von 60 Einzelgesellschaften, die aus der Privatisierung hervorgegangen sind.

Das Schienenunternehmen betrieb als Monoplist die rund 20.000 Meilen des britischen Gleisnetzes, 2.500 Bahnhöfe, sowie Brücken und Signalanlagen. Die Nutzungsrechte für jene Infrastruktur wurden in Form von Lizenzen an private Zuggesellschaften verkauft. Damit wurde das Gleis- und Signalnetz vom Betrieb der Bahnen getrennt.

Beim Börsengang galt Railtrack als "Volksaktie". Rund 250.000 Briten besitzen Railtrack Aktien. Mit einem Emissionspreis von 390 Pence gestartet, stieg die Aktie bis auf 1700 Pence. So konnte Railtrack in der ersten Jahren auch stattliche Gewinne machen. Dem Höhenflug folgte aber bald ein jäher Absturz.

Schwere Unfälle in der Vergangenheit

Das britische Schienennetz gilt als marode und schlecht instandgesetzt. Als Grund dafür nennen britische Experten einen deutlichen Interessenkonflikt zwischen den kurzfristigen Gewinninteressen der Aktionäre auf der einen und den für einen einwandfreien Netzbetrieb benötigten langfristigen Investitionen auf der anderen Seite.

In der Folge kam es dann auch zu mehreren, teilweise verhehrenden Zugunglücken. Bei einem Unfall in der Station London-Paddington starben 31 Menschen. Eine amtliche Untersuchungkommission beschuldigte Railtrack schwerer Versäumnisse. Im Frühjahr 1999 kündigte das Unternehmen eine Modernisierung des Streckennetzes an. Rund 43,3 Mrd. Euro sollten investiert werden.

Erstmals seit Oktober 2001 Handel in Aktie

Im Mai 2001 wies Railtrack erstmals einen Verlust aus. Nur fünf Monate später vermeldete das Unternehmen Konkurs. Im Oktober stellte die britische Regierung Railtrack daraufhin unter Zwangsverwaltung. Die Aktie wurde bei einem Kurs von 280 Pence vom Handel ausgesetzt. Wütende Proteste von Kleinaktionären und Fondsgesellschaften waren die Folge.

Am Donnertag vergangener Woche wurde der Handel in der Aktie bei einem Kurs von 218 Pence erstmals wieder aufgenommen. Wie die Railtrack Group bekanntgab, sollen die Aktionäre aus der Übernahme und dem zeitgleichen Verkauf der Hochgeschwindigkeitsverbindung unter dem Ärmelkanal nun 245 bis 255 Pence je Aktie erhalten. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 23. Juli können die Aktionäre über das Angebot entscheiden.

Mit der Übernahme solle das Vertrauen in das Britische Bahnsystem wiederhergestellt werden. Die erzielten Erlöse werden in die Verbesserung der Infrastruktur investiert werden, hieß es.

Quelle: ntv.de

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