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Markus Zschaber Neue Liquiditätsschwemme?

In den letzten 26 Monaten in denen die Weltwirtschaftskrise und die globale Finanzkrise ihr Unwesen getrieben haben, reduzierte sich das Kreditmengenwachstum weltweit markant. Zuvor sorgte es für die horrenden Preisübertreibungen an den Immobilienmärkten, vor allem in den USA, Großbritannien, Spanien und in weiten Teilen Asiens. Betrachtet man die Kreditvergabestandards in den westlichen Nationen, so kann nach meinen empirischen Recherchen eine deutlich restriktivere Vergabe erkannt werden, was schlussendlich auch an den reduzierten Kreditvolumina, welche in den letzten Monaten vergeben wurden, erkannt werden kann. Um diesbezüglich gegenzusteuern und um einen nachhaltigen Credit-Crunch möglichst einzugrenzen, reduzierten die Notenbanken massiv die Leitzinsen sowie die Refinanzierungssätze. Außerdem wurden durch außergewöhnliche Maßnahmen der Notenbanken die Zentralbankgeldmengen exorbitant ausgeweitet, um die Kapital- und Finanzierungsmärkte mit Liquidität zu versorgen. Durch diese koordinierten Maßnahmen konnte eine gewisse Stabilität des globalen Finanzsystems geschaffen werden, die Konsequenz daraus war und ist, dass sich die Geldmenge exorbitant steigerte. In vielen industrialisierten Nationen erreicht das Geldmengenwachstum aktuell Wachstumsraten von über + 10 % bei gleichzeitig negativen BIP - Wachstumsraten, was zu einer nicht unbedrohlichen Überschussliquidität führt und noch führen wird.

Die Frage ist, welche Belastungen oder Antriebskräfte können dadurch entstehen? Nach meinen Erkenntnissen bzw. Erfahrungen in der ordnungspolitischen Zielkoordination wird es für die verantwortlichen Parteien sehr schwierig sein, diese besagte Überschussliquidität wieder abzuschöpfen, ohne dass dadurch ein erhöhtes Gefahrenpotenzial in Bezug auf inflationistische Entwicklungen entstehen könnte. Denn Fakt ist, die Liquidität sucht sich in der Regel immer ihren Weg, um in die Märkte zu fließen und durchbricht, wie auch in der Vergangenheit immer wieder festgestellt werden konnte, nahezu alle Barrieren. Außerdem kommt jetzt das eigentliche Dilemma, denn mit Blick auf die derzeitige Verfassung des globalen ökonomischen Prozessniveaus, sind die eventuell notwendig werdenden Maßnahmen zur Beschränkung des Geldmengenwachstums eher begrenzt. Dies wird dazu führen, dass das Realzinsniveau in den USA und in der Eurozone mit hoher Wahrscheinlichkeit im Durchschnitt der kommenden Jahre sogar noch niedriger ausfallen könnte als in den Jahren 2004, 2005 und 2006. Dabei ist nicht zu vergessen, dass diese drei Jahre, mittels der niedrigen Realzinspolitik der westlichen Notenbanken und an erster Stelle aufgrund der politischen Ausrichtung der US - Notenbank, der Nährboden für die Übertreibungen an den Immobilienmärkten waren.

Aktuell kann bereits wieder eine leichte Hauspreisinflation in den USA festgestellt werden, auch wenn eine Preissteigerung des US-Immobilienmarktes aufgrund des markant niedrigen Niveaus, welches dieser aufgrund der Krise erreichte, als normales Preisschema einzuordnen ist. Dennoch erkennen wir nicht nur einen Anstieg der globalen Immobilienpreise, sondern auch einen wieder erstarkten Anstieg der Mietrenditen, welche in den großen europäischen Metropolen durchaus Renditeniveaus von 6,5 % bis 7 % in den vergangenen Wochen erreichten. Das lässt bereits darauf schließen, dass ein Teil der Überschussliquidität aufgrund der zunehmenden Attraktivität seinen Weg in die Immobilienmärkte finden wird. Problematisch ist allerdings, dass diese Liquidität größtenteils durch Zentralbankgeld geschaffen wurde. Dies könnte dazu führen, dass entweder dieser Stabilisierungstrend, möglicherweise durch die sogenannte Exit - Strategien der Notenbanken, wieder in einen sich abschwächenden Turnus zurückkehrt oder, bei einer weiteren expansiven ordnungspolitischen Ausrichtung der Staaten, zu einer Preisinflationen an den Immobilienmärkten führen könnte. Durch beide Vorgehensweisen drohen nach meiner Auffassung durchaus Gefahrenherde, wie beispielsweise, dass durch restriktive geldpolitische Maßnahmen nicht nur die Stabilisierung der Immobilienmärkte geschwächt werden könnte, sondern auch die Konjunktur abgewürgt werden könnte. Fakt ist, die Unternehmen befinden sich immer noch in einer Restrukturierungsphase, so dass höhere Zinsbindungskosten auf der Finanzierungsseite nicht gerade entlastend wirken. Auf der anderen Seite könnte durch eine mittelfristige Niedrigzinsphase die Gefahr eines Überschwappens der Preisinflation an den Immobilienmärkten auf die Verbraucherpreise noch gesteigert werden.

Die zukünftigen geldpolitischen Aufgaben sind nicht gerade einfach, vor allem wenn man berücksichtigt, dass eine unabhängige ökonomische und vor allem rationale Entscheidung durch die Notenbanken eigentlich nicht möglich erscheint, denn der politische Druck ist durch die Krise nicht gerade geschrumpft, im Gegenteil, wahrscheinlich war dieser noch nie so hoch. Ich bin der Überzeugung, dass die Notenbanken es geschafft haben die aktuelle Finanzmarktkrise in den Griff zu bekommen, die Frage ist nur zu welchem Preis?


Ihr Markus Zschaber

Markus C. Zschaber ist leitender Fondsmanager der V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft (www.zschaber.de) in Köln. Nach seinem BWL-Studium ließ er sich in den USA bei der Chase Manhattan Bank zum Fondsmanager ausbilden und kehrte danach wieder zurück in seine Wahlstadt Köln. Bereits mehrfach ausgezeichnet für sein Portfoliomanagement, zuletzt als "Bester Fondsverwalter 2008"durch den "Handelsblatt-Elite-Report", kennen ihn die n-tv-Zuschauer seit 1997 als Experte unter anderem in der Telebörse, dem Investment-Check, Börse@n-tv oder dem Geldanlagecheck. Zwei seiner Fachbücher konnten Leser bereits in den Bestseller-Listen finden, zuletzt das Buch "Der Börse voraus" als Gemeinschaftsproduktion mit dem Nachrichtensender n-tv.

Quelle: n-tv.de