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Wie lange hält er stand? Neue Vorwürfe gegen Welteke

Der Druck auf Bundesbank-Präsident Ernst Welteke in der Hotelkosten-Affäre ist noch einmal gewachsen. Nachdem ihn die Bundesregierung bereits offen zum Rücktritt aufgefordert hat, legt die "Bild"-Zeitung mit neuen Vorwürfen gegen Welteke nach. So hat sich der Bundesbank-Präsident dem Blatt zufolge mehrmals zu Opernball-Reisen nach Wien einladen lassen.

Im Jahr 2002 sei Welteke auf Einladung einer großen deutschen Geschäftsbank Gast beim Wiener Opernball gewesen, meldet die Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise. Wie zwei Jahre zuvor habe Welteke auch in diesem Fall nicht nur den Ball besucht, sondern sei deutlich länger in Österreich geblieben. Den Aufenthalt habe die Geschäftsbank bezahlt.

"Notwendige Konsequenzen "

Unabhängig von diesen neuen Vorwürfen hat die Bundesregierung Welteke am Mittwoch aufgefordert, seinen Hut zu nehmen. "Die Bundesregierung geht davon aus, dass der Bundesbank-Präsident in seiner Verantwortung vor dem Amt und der Institution Bundesbank die notwendigen Konsequenzen ziehen wird", erklärte das Bundesfinanzministerium.

Der Bundesbank-Vorstand hatte zuvor trotz massiver öffentlicher Kritik an dem von der Dresdner Bank bezahlten Hotelaufenthalt beschlossen, Welteke lediglich dazu aufzufordern, sein Amt ruhen zu lassen. Welteke hatte dies akzeptiert.

"Aus der Sicht der Bundesregierung trägt der Beschluss des Bundesbank-Vorstandes dem Ziel nicht angemessen Rechnung, das hohe Ansehen der Bundesbank in der öffentlichen Meinung zu bewahren", hieß es in der Erklärung weiter. Die Bundesregierung sei der Auffassung, dass sowohl das Amt des Präsidenten als auch die Bundesbank als Institution vor weiterem Schaden bewahrt werden müssten.

Keine "schwere Verfehlung"?

Der Bankvorstand wandte indes ein, entlassen werden könne der Präsident einer nationalen Notenbank nur, wenn er eine "schwere Verfehlung" begangen habe. Das sei bei Welteke nicht der Fall. Bundesbank-Vize Jürgen Stark soll Welteke im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) vertreten.

Die Empfehlung an Welteke, sein Amt ruhen zu lassen, sei mit Blick auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ausgesprochen worden, hieß es. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Welteke wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme.

Welteke hatte Silvester 2001 zur Einführung des Euro-Bargelds als Ehrengast an einer Feier der Dresdner Bank teilgenommen. Das Institut hatte ihn und seine Familie für vier Tage im Luxus-Hotel Adlon am Brandenburger Tor untergebracht und die Kosten von 7.661,20 Euro zunächst übernommen. Nach mehrtägiger Kritik hatte Welteke die Rechnung am Montag zum Teil teilweise selbst übernommen und sich später für sein Verhalten entschuldigt.

Quelle: ntv.de