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Der Kommentar Noch gut davongekommen

Von Volker Jacobs

Angela Merkel kann mit dem Wahlergebnis in der Fraktion hoch zufrieden sein. Friedrich Merz aber auch. Die 34 Stimmen, die gegen ihn abgegeben wurden, spiegeln kaum das ganze Ausmass des Unmuts wider, das er mit seinem Ausbruch ausgelöst hat. Dass die Abstimmung nicht schlechter ausfiel, dürfte er auch den Worten - "Eckpfeiler der Unionsmannschaft" - zu danken haben, mit denen Edmund Stoiber die Erregung zu dämpfen und Merz ein allzu peinliches Ergebnis zu ersparen suchte.

Niemand in der Fraktion kann schlüssig erklären, was Merz geritten hat, seine Kritik am Kompromiss in der Gesundheitsreform mit seiner Position in der Fraktionsführung zu verknüpfen. Die meisten Erklärungsversuche bemühten die dem Sauerländer nachgesagte Sturheit sowie sein nachhaltig gestörtes Verhältnis zur Fraktionsvorsitzenden und kamen an Wendungen wie "ausgerastet" nicht vorbei. Es mag den Vorgänger von Frau Merkel im Fraktionsvorsitz auch ärgern, dass er im Bundestag nur noch an zweiter Stelle für die Union reden darf, um dann gelegentlich noch bestätigt zu bekommen, dass er rhetorisch eindrucksvoller war als die Hauptrednerin. Das wäre verständlich, ist in der Politik aber höchst hinderlich, oder sogar gefährlich.

Immerhin sind die Verhältnisse klar. Friedrich Merz ist bestätigt worden , dass die Fraktion auf seine Kompetenz und seine rednerisches Talent nicht verzichten will. Übermässig viele Redner mit Gardemass hat sie auch nicht. Ihm ist aber auch deutlich gemacht worden, dass sie von ihrem Führungspersonal Solidarität und Loyalität erwartet, auch es schwer fällt. Solche Eskapaden sollte sich auch Friedrich Merz nicht mehr erlauben.

Quelle: n-tv.de